BALLADE VOM STERBENDEN DICHTER
BALLADE VOM STERBENDEN DICHTER In einer Kammer, eng und karg, saß einst ein Mann mit müden Händen. Der Tag war grau, die Nacht war arg, und Tropfen fielen von den Wänden. Sie fielen still auf Tisch und Blatt, auf jedes Wort, das er geschrieben. Er hob die Feder, bleich und matt, und rang um jedes Wort, das blieb. Fern davon, in goldnem Saal, stand einer, reich an Macht und Gaben. Er trug den Glanz wie ein Metall, das selbst die Jahre nicht begraben. Er sprach zu vielen, laut und klar, sein Name hallte durch die Räume. Er wurde groß, er wurde wahr in aller Menschen stolzen Träume. Der Dichter aber, bleich und krank, wehrt’ Tropfen ab mit letzter Kraft. Sie fielen dicht wie Regenschrank und löschten Zeilen, die er schafft. Er hielt das Blatt wie einen Schild, als kämpft’ er gegen wilde Meere. Doch was er schrieb, das blieb nicht mild, es rann davon wie flücht’ge Chöre. Der andre wuchs in hohem Rang, sein Werk ward Stein, sein Wort ward Kunde. Er trug den Sieg wie Festgesang, se...