Die Selbstvergessenen
Die Selbstvergessenen Fünf Milliarden Menschen steigen jeden Morgen auf dasselbe schwimmende Hotel ein. Sie nennen es nicht Hotel, sie nennen es Feed, sie nennen es Timeline, sie nennen es Leben. Die Gangway ist aus Licht, die Kabinen sind klein, aber die Bar ist rund um die Uhr offen, und das Orchester spielt immer genau den Song, den sie gerade hören wollen. Sie legen ihre Erinnerungen ab wie Koffer am Pier, „bitte aufbewahren, danke, ich hol sie später wieder ab“. Dann tanzen sie weiter. Das Schiff heißt Costa Concordia 2.0, unsichtbar, aber es nimmt Wasser auf. Langsam, leise, seit Jahren schon. Niemand hört das Knirschen, denn die Musik ist laut, und die Rettungsboote wurden aus Kostengründen durch neue Filter ersetzt. In den unteren Decks, dort wo die Server summen, rieseln fünf Milliarden Lebenssanduhren gleichzeitig. Jedes Foto ein Korn. Jede Sprachnachricht ein Korn. Jedes „ich liebe dich“, das nie angekommen ist, ein Korn. Sie fallen, fallen, fallen. Die meisten schauen ...