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Das digitale Meer

 Das digitale Meer Wir steigen ein, leise, fast schuldbewusst, als wäre es nur eine Kreuzfahrt für ein Wochenende. Die Gangway schluckt unsere Namen, die Tickets heißen „Anmeldung“, und schon gleitet das gewaltige Schiff hinaus, weiß und glänzend wie ein Versprechen, das niemand laut aussprechen muss. An Deck riecht es nach Kokos-Sonnencreme und Neuem Anfang. Wir legen die Schwimmwesten der Einsamkeit ab, tauschen sie gegen Bademäntel aus Likes. Jeder Sonnenuntergang wird sofort fotografiert, jeder Drink mit Freunden, die wir nie berühren, jeder Herzschlag in Herzchen übersetzt. Das Meer ringsum ist endlos, aber wir schauen nur auf die kleine Spiegelung unseres Gesichts im Handydisplay. Wir sind Tausende, und doch tanzt jeder allein mit seinem eigenen Schatten aus Licht. Das Schiff ist riesig. So riesig, dass wir glauben, es könne nie sinken. „Wenn Millionen hier feiern“, flüstern wir uns zu, „wird der Kapitän schon wissen, wohin die Reise geht.“ Wir übergeben ihm die Verantwortung...