Die Ballade vom Wanderer und vom Hüter des Hauses
In einem kleinen weiten Land, von Bergen still umstellt,
da lebten einst zwei Männer, jeder in seiner Welt. Der eine stieg nach oben, wie ein Adler voll im Wind, der andre schrieb in Nächten, wo die Sterne Wächter sind.
Der erste, groß im Hause, das aus Stein und Ordnung stand, zog herrisch wie ein Cäsar durch das weit gespannte Land. Er lenkte Last und Fülle, er hob das Werk empor, und täglich klang sein Name durch jedes hohe Tor.
Doch wer ihn sah, vergaß ihn, sobald der Morgen brach, denn viele trugen früher schon das gleiche schwere Fach. Ein Hüter kommt, ein Hüter geht, das Haus bleibt unbewegt, und was ein Mann auch leistet, wird bald vom Zeitenstab weggefegt.
Der andre saß im Schatten des alten Lindenbaums, erschuf in stillen Stunden ein Werk im leisen Raum. Er setzte Stein auf Steine, doch nicht aus Erz und Holz, er baute leise Zeilen, und jeder, der sie kannte, war stolz.
Er schrieb von alten Wunden, von Kindheit ohne Licht, von Wegen voller Dornen, doch brach sein Herz ihm nicht. Er legte seine Wörter wie Spuren in den Sand, damit ein ferner Wanderer sie einst noch lesen kann.
Er schuf auch kleine Rätsel aus König, Turm und Pferd, und wer sie still durchdringet, erkennt, was ewig währt. Denn solche leisen Werke, von Hand und Geist gemacht, werden selten zerstört und schon gar nicht ausgelacht.
Der Hüter in dem Hause, er wuchs wie fremder Rauch, sein Name schwang im Winde, doch blieb er Name auch. Denn wenn ein neuer Lenker das alte Haus betritt, verblasst der Klang des ersten und weicht dem neuen Schritt.
Der Wanderer im Dunkel, er wuchs in keiner Zahl, doch blieb sein stilles Schaffen ein leuchtend fernes Mal. Und wenn in hundert Jahren ein Forscher still erwacht, so findet er die Spuren, die jener einst gemacht.
So stehen sie einander wie Tag und tiefe Nacht: der eine laut und wandelbar, der andre still und sacht. Der eine trägt die Krone, die morgen schon verweht, der andre schreibt im Buche, das über Zeiten steht.
Und wenn die Welt sich wandelt, wie sie es immer tut, so bleibt vom lauten Cäsar nur Staub in alter Glut. Doch von dem stillen Wanderer bleibt Wort und Werk bestehen, und wer die Zukunft öffnet, wird seinen Namen sehen.
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