Der Schlüssel zum Mozart
Mit zwölf, dreizehn fand ich das Brett – 64 Felder, ein Universum aus Elfenbein und Ebenholz, wo ich König war, obwohl ich nichts besaß. Im Café Mozart, zwischen Duft von Mokka und Zigaretten, spielte ich um Schillinge, um Blicke, um Anerkennung, gegen Männer mit Uhren und geregelten Leben. Ich war noch keine sechzehn, schon stark genug für 2100-Elo-Seelen, doch Armut sperrte mich aus den Clubs, aus Turnieren, aus allem, was Beständigkeit hieß. Abgestellt wie ein Koffer im Kolpinghaus, von Monika Mittermayr vergessen, hungerte ich in Wellen, die mir die Knochen bleichten. Da kam der Hermann Hamberger, der Salzburger Schachunterhalter, zeigte Sam Loyd-Stellungen, verblüffende Wunder, und weckte in mir den Komponisten. Im Bett, auf bloßer Matratze, ohne Brett, ohne Figuren, ersann ich mein erstes Matt in Zwei, einen Zugwechsel, während der Magen sich selbst fraß. Dann Henri Prodinger – tausend Schilling auf dem Tisch, keine Uhr, nur die Nacht. Wir spielten bis die Lichter erloschen,...