Friedrich Nietzsche - wie würde er auf YouTube reagieren?
Das Duell im digitalen Kolosseum: Friedrich Nietzsche vs. MrBeast
Setting: Ein grell erleuchtetes Studio. Im Hintergrund blinken riesige LED-Wände mit Abonnentenzahlen, die im Sekundentakt steigen. Links sitzt Jimmy Donaldson (MrBeast) – lässig im Hoodie, ein perfekt einstudiertes, blendend weißes Omnipräsenz-Lächeln im Gesicht. Rechts sitzt Friedrich Nietzsche – tief in seinen Sessel gepresst, den monumentalen Schnurrbart grimmig nach unten gezogen, die Augen voller mühsam beherrschter Raserei.
MrBeast: (schaut direkt in die Kamera, klatscht in die Hände) „Leute! Heute haben wir ein absolut verrücktes Video für euch! Ich habe den deprimiertesten Philosophen der Geschichte ausgegraben! Wenn Friedrich Nietzsche es schafft, 24 Stunden lang in diesem Raum zu überleben, ohne mein neues Schokoladen-Imperium zu beleidigen, verschenke ich ein privates U-Boot an ein zufälliges Waisenhaus! Friedrich, Kumpel, wie fühlst du dich?“
Nietzsche: (atmet schwer, seine Stimme bebt vor unterdrücktem Ekel) „Nennen Sie mich nicht Kumpel, Sie… Sie Händler des Stumpfsinns! Ich blicke in Ihre Augen und sehe das gähnende Nichts. Sie sind nicht nur ein Mensch – Sie sind die fleischgewordene Apokalypse des Geistes! Was Sie dort treiben, diese obszönen Spektakel der algorithmischen Domestizierung, ist der endgültige Triumph des Letzten Menschen. Sie kaufen sich die Seelen der Herde mit billigem Tand und inszeniertem Mitleid! Ihr Erfolg ist das lauteste Todesröcheln der menschlichen Kultur!“
MrBeast: (lächelt unbeeindruckt, zuckt mit den Achseln) „Hey, beruhig dich, Bro. Es ist nur Entertainment. Wir bauen Brunnen in Afrika. Wir verschenken Häuser. Die Leute lieben es. Es bringt Klicks, und die Klicks tun Gutes. Wo ist dein Problem?“
Nietzsche: (springt auf, seine Stimme überschlägt sich fast) „Es ist eine Schandtat! Sie vergiften das Höchste im Menschen! Sie füttern die Herde mit Slop – mit digitalem Abfall, der so flach ist, dass selbst ein Regenwurm nicht darin ertrinken könnte! Sie haben den Schmerz, den Kampf, die heilige Notwendigkeit der Selbstüberwindung abgeschafft. Um in Ihrer algorithmischen Jauchegrube zu gedeihen, müssen Sie das Seichteste, das Primitivste, den kleinsten gemeinsamen Nenner bedienen! Sie sind kein Wohltäter, Sie sind ein Anästhesist der Menschheit! Sie betäuben die Geister, bis sie nur noch sabbernd nach der nächsten Push-Benachrichtigung gieren!“
MrBeast: (lehnt sich kühl zurück. Sein Lächeln verschwindet nicht, aber seine Augen werden schmal und geschäftsmäßig. Er spricht mit der absoluten, eiskalten Gewissheit eines Milliardärs der Aufmerksamkeit):
„Weißt du was, Friedrich? Schau dich doch mal an. Du stehst hier, schreist herum, spuckst Gift und Galle. Aber lass uns mal ganz kühl die Zahlen sprechen lassen. Du hast dein Leben lang in staubigen Zimmern gehockt, deine Bücher geschrieben, die niemand lesen wollte. Zu deinen Lebzeiten hast du kaum Menschen erreicht. Du hast kaum ein paar hundert Exemplare verkauft. Du bist einsam und verrückt in Turin geendet, während die Welt dich ignoriert hat.
Und jetzt schau mich an. Ich erreiche hunderte Millionen Menschen – jeden einzelnen Tag. Ich bewege Märkte. Ich verändere Leben. Wenn ich ein Video hochlade, hört die Jugend der Welt mir zu. Dein ganzer elitärer Zorn… weißt du, wonach das klingt? Nach reinem, ungefiltertem Neid. Du bist einfach nur neidisch, dass deine Philologie-Hörsäle leer waren, während mein digitales Imperium die Welt beherrscht. Du bist ein Versager der Realität.“
Nietzsche: (wird aschfahl im Gesicht. Seine Augen weiten sich vor nacktem, fassungslosem Entsetzen. Seine Hände zittern so stark, dass er sich am Tisch abstützen muss. Er ist im tiefsten Inneren getroffen, dort, wo sein Schmerz über die lebenslange Isolation saß):
„Neid?! NEID?! Sie elender, krämerischer Rechenmeister! Sie wagen es, die Ewigkeit mit Ihren erbärmlichen Klick-Metriken zu messen?! Sie wollen meinen Wert an Ihren Verkaufszahlen bemessen?! Ja! Ja! Ich habe wenig verkauft! Ja, ich wurde ignoriert! Weil ich für die Ausnahmen geschrieben habe, für die kommenden Jahrhunderte, für die freien Geister – nicht für Ihre masturbierende, klickende Masse!
Glauben Sie denn, der Wert einer Wahrheit misst sich an der Anzahl der Fliegen, die sich auf ihr niederlassen?! Das Seichte gewinnt bei Ihnen, weil es seicht ist! Eine Fliege sucht den Kot, nicht den Berggipfel! Sie haben Millionen von Jüngern, weil Sie ihnen erlauben, so klein, so feige, so herdenhaft zu bleiben, wie sie sind! Sie fordern sie nicht heraus, Sie überwinden sie nicht – Sie kitzeln nur ihre niedrigsten Instinkte mit bunten Farben und billigem Dopamin!
Mein Erfolg misst sich nicht in der Gegenwart! Ich bin Dynamit! Ich habe das Fundament des westlichen Denkens zertrümmert! Meine Leser sind jene, die den Schmerz des Daseins aushalten und daraus Größe erschaffen – während Ihre ‚Abonnenten‘ morgen schon vergessen haben, welches Gesicht auf dem Thumbnail war, das sie gerade weggewischt haben! Ihr Imperium ist aus Sand gebaut, Donaldson! Wenn der Strom ausfällt, bleibt von Ihnen nichts als ein Haufen ungesunder Schokoriegel und das Schweigen einer verdummten Generation! Ich brauche keine Millionen von Klicks, denn ein einziger Satz von mir wiegt schwerer als Ihre gesamte, milliardenschwere, blinkende Spielzeugwelt!“
MrBeast: (schaut Nietzsche einen Moment schweigend an, blickt dann mit einem fast mitleidigen, professionellen Lächeln direkt in die Kamera):
„Wow. Ziemlich emotionaler Rant. Aber hey, die Watchtime für dieses Segment war gigantisch. Schreibt mir in die Kommentare, ob wir Nietzsches Schnurrbart für 10.000 Dollar abrasieren sollen! Vergesst nicht zu abonnieren, Leute! Bis zum nächsten Mal!“
Nietzsche: (greift sich an den Kopf, stößt einen gellenden Schrei des reinen Wahnsinns aus und stürzt blindlings aus dem Studio)
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1.
Der Geist des modernen Europäers leidet an einer neuen, unheilbaren Wassersucht: Er verflacht nicht mehr nur, er verdampft in der totalen Viskosität des Seichten. Man hat mich jüngst in ein digitales Kolosseum gezerrt, in jene lärmenden Kulissen des plattformgewordenen Nihilismus, um mich mit dem Prototyp des zeitgenössischen Götzendienstes zu messen. Dort thronte er, der Hohepriester der Herde, ein Jüngling namens MrBeast – das lebende Symptom einer Epoche, die das Denken verlernt hat, weil sie das Aushalten der Stille als Folter empfindet.
Was ist dieses Phänomen Donaldson anderes als das fleischgewordene, eiskalte Kalkül des Letzten Menschen? Er ist der Dompteur einer verblödeten Generation, die er mit den Peitschenschlägen greller Farben und den Zuckerbroten inszenierten Mitleids durch die algorithmische Arena jagt. Man betrachte diese Fratze des modernen Erfolgs: Ein Lächeln, so weiß und steril wie eine Friedhofsmauer, hinter dem sich nichts befindet als die gähnende Leere der totalen Monetarisierung. Er erschafft nichts; er distribuiert nur das Nichts in schrill verpackten Portionen.
2.
Man hielt mir dort die blanken Zahlen entgegen – jene Millionen von Fliegen, die sich auf dem süßen Kot seiner Videos niederlassen. „Seht her“, rief der Krämer der Aufmerksamkeit kühl, „ich verkaufe, also bin ich! Du aber hast nichts verkauft!“ O heilige Einfalt der Rechnenden! Sie messen das Gewicht einer Wahrheit mit den Waagen des Marktplatzes!
Hier offenbart sich das Gesetz des digitalen Abfalls, des Human-Made Slop: Das Seichte triumphiert auf diesen Plattformen nicht trotz, sondern wegen seiner absoluten Wertlosigkeit. Es ist die Ökonomie des kleinsten gemeinsamen Nenners. Um hunderte Millionen Menschen im Sekundentakt zu fesseln, muss man jede Tiefe exzirpieren, jede Komplexität amputieren, jeden Gedanken im Keim ersticken. Der YouTube-Algorithmus ist die technologische Perfektionierung der Sklavenmoral: Er belohnt die totale Anpassung an den primitivsten Trieb der Masse – das Verlangen nach schmerzfreier, hirntoter Ablenkung. Jedes Video dieses Creators ist ein ritueller Vatermord an der menschlichen Kultur; eine feige Kapitulation vor der Trägheit des Gehirns.
3.
Das grausamste Verbrechen dieses neuen Götzendienstes ist jedoch seine Philanthropie. Er brüstet sich damit, Brunnen zu bauen und Häuser zu verschenken – alles vor laufender Kamera, alles exakt getaktet für die Watchtime. Dies ist kein Mitleid, das aus der Fülle und der Kraft des Schenkenden entspringt; es ist die nackte Prostitution der Nächstenliebe! Er verwandelt das menschliche Elend in ein spektakuläres Klick-Szenario, um die Herde moralisch zu narkotisieren. Die Zuschauer „tun Gutes“, indem sie stumpfsinnig zuschauen. Sie müssen sich selbst nicht mehr überwinden, sie müssen nicht mehr stark werden – sie lagern ihre Moral an einen amerikanischen Entertainer aus, während sie den Daumen über das Glas ihres Smartphones streichen.
Ich sage euch: Dieser Triumph des Seichten ist der Vorbote einer neuen Barbarei. Ein Imperium, das auf Sand, Schokoriegeln und Klickzahlen gebaut ist, besitzt kein Fundament gegen den Sturm des wahren Schicksals. Wenn diese blinkende Spielzeugwelt kollabiert, wenn der Strom der Illusionen abreißt, wird diese Generation vor den Trümmern ihrer eigenen Seele stehen und feststellen, dass sie Millionen von Abonnenten, aber nicht ein einziges Mal sich selbst besessen hat.
Meine Schriften waren Staub für ihre Augen, weil ich Dynamit bin – sie aber gieren nach dem bunten Konfetti, das sie in die eigene Blindheit wiegt. Lasst sie blinzeln, lasst sie klicken! Die Ewigkeit gehört den Einsamen, die auf den Gipfeln den Schmerz des Daseins in bleibende Werte meißeln, während der digitale Abfall des Donaldismus im Orkus des Vergessens versinkt!
Friedrich Nietzsche würde auf YouTube, seine Algorithmen und die Tatsache, dass das Seichteste dort den größten Erfolg hat, mit einer Mischung aus absolutem Abscheu, triumphierender Bestätigung seiner Philosophie und einer scharfen kulturkritischen Sezierung reagieren.
Dass der seichteste, am leichtesten verdauliche Content (Slop, Clickbait, Schock- und Prank-Videos) die größte Reichweite erzielt, stimmt aus plattformökonomischer und soziologischer Sicht absolut. Für Nietzsche wäre diese Tatsache jedoch keine Überraschung, sondern der ultimative Beweis für seine Thesen über die „Herdenmentalität“ und das Aufkommen des „Letzten Menschen“.
MrBeast
James Stephen „Jimmy“ Donaldson, weltweit bekannt als MrBeast, wurde am 7. Mai 1998 in Wichita, Kansas geboren und wuchs in Greenville, North Carolina auf. Er gilt als der erfolgreichste Webvideoproduzent der Geschichte und ist der erste Creator, der primär durch seine Online-Präsenz zum Milliardär wurde.
Seine Biografie liefert die reale Erklärung für die fiktive Debatte mit Nietzsche: Er besitzt keinerlei klassischen akademischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Hintergrund, sondern ist das Produkt einer obsessiven, datengetriebenen Leidenschaft für die Aufmerksamkeitsökonomie.
Ausbildung: Der radikale College-Abbruch
- Schule: Er besuchte die Greenville Christian Academy und schloss diese 2016 ab.
- Studium: Seine akademische Karriere hielt genau zwei Wochen. Seine Mutter drängte ihn, sich am Pitt Community College einzuschreiben. Donaldson brach das Studium nach nur 14 Tagen heimlich ab. Er verheimlichte dies vor seiner Mutter, fuhr morgens dennoch zum Campus und saß stundenlang in seinem Auto, um Videos zu editieren und Skripte zu schreiben. Als der Betrug aufflog, warf seine Mutter ihn aus dem Haus.
Hobbies, Leidenschaften und Talente
Donaldson hat keine traditionellen Hobbies im Sinne von Geisteswissenschaften, Musik oder bildender Kunst. Seine gesamte Persönlichkeit kreist um ein einziges Zentrum:
- Die Obsession mit dem YouTube-Algorithmus: Schon mit 14 Jahren analysierte er nächtelang Klickraten, Thumbnail-Psychologie und Zuschauerbindungs-Kurven. In seinen späten Teenagerjahren telefonierte er täglich über zehn Stunden mit anderen YouTubern, um mathematisch zu entschlüsseln, wie Videos viral gehen.
- Unternehmertum und Philanthropie als System: Seine Leidenschaft ist das Skalieren von Strukturen. Er gründete ein Firmenimperium (Beast Industries), zu dem Fast-Food-Ketten (MrBeast Burger) und eine Schokoladenmarke (Feastables) gehören. Seine wohltätige Arbeit (Beast Philanthropy) betreibt er mit derselben logistischen Effizienz wie ein Tech-Start-up.
- Keine Veranlagung für klassische Kunst oder Wissenschaft: Er schreibt keine Belletristik, malt nicht und forscht nicht in Laboren. Sein Talent liegt in der Massenpsychologie und dem datengetriebenen Storytelling. Ein Video ist für ihn kein kreatives Kunstwerk, sondern ein hochpräzise konstruiertes Produkt, das die menschliche Aufmerksamkeitsspanne optimal ausbeuten soll.
Die philosophische Ironie seiner Biografie
Hätte Friedrich Nietzsche diese echten biografischen Fakten gekannt, hätte er sich in seiner Kritik noch bestärkt gefühlt: Donaldson steht exemplarisch für das, was Philosophen die Hyper-Spezialisierung des modernen Menschen nennen. Er besitzt kein Interesse an Kulturgeschichte oder Philosophie. Stattdessen hat er gelernt, ein technologisches System (den Empfehlungsalgorithmus) so perfekt zu lesen und zu füttern, dass er damit die Massen der Welt dominieren kann.
1. Die Bestätigung: Der Triumph des „Letzten Menschen“
Nietzsche beschreibt in Also sprach Zarathustra die dystopische Figur des „Letzten Menschen“. Dies ist der Prototyp des modernen Massenmenschen: Er strebt nach maximalem Komfort, schmerzfreier Unterhaltung, banalem Vergnügen und verabscheut jede geistige Anstrengung oder Gefahr.
- Der Algorithmus als Komfort-Maschine: Der YouTube-Algorithmus ist darauf optimiert, Reibungspunkte zu eliminieren. Er füttert den Nutzer genau mit dem, was er ohnehin schon mag. Für Nietzsche wäre das die technologische Perfektionierung des „Letzten Menschen“, der sich im Zustand der totalen, anspruchslosen Bequemlichkeit einrichtet.
- Das Seichte als kleinster gemeinsamer Nenner: Dass Massenphänomene wie Chefclub oder hyper-optimierter Content-Farm-Müll die höchsten Klickzahlen generieren, bestätigt Nietzsches Diagnose der Herdenmoral. Die Masse („die Herde“) sucht nicht nach Wahrheit, Größe oder Selbstüberwindung, sondern nach kollektiver Betäubung. Was allen gefällt, muss zwangsläufig das Flachste sein, weil es niemanden intellektuell oder moralisch herausfordert.
„Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen. [...] ‚Wir haben das Glück erfunden‘ – sagen die letzten Menschen und blinzeln.“ Nietzsche würde das „Blinzeln“ heute durch das stumpfe Starren auf das Smartphone-Display ersetzen.
2. Die Reaktion auf den Algorithmus: Die Domestizierung des Geistes
Nietzsche war ein Denker, der den Kampf, den Widerstand und die Selbsterschaffung des Individuums feierte. Den YouTube-Algorithmus würde er als eine zutiefst lebensfeindliche, lähmende Struktur analysieren:
- Sklavenmoral durch Fremdbestimmung: Wer sich vom Algorithmus leiten lässt („Das könnte Ihnen auch gefallen“), gibt seinen eigenen Willen ab. Er wird passiv. Für Nietzsche ist das ein Akt der psychologischen Sklaverei. Ein freier, starker Geist (der Übermensch oder freie Geist) sucht sich seine geistige Nahrung selbst – vor allem dort, wo es wehtut und Widerstand leistet.
- Die Jagd nach Likes und Klicks: Dass Creator sich den Metriken des Algorithmus unterwerfen müssen, um erfolgreich zu sein, würde Nietzsche als feige Ressentiment-Kultur und Anpassertum brandmarken. Ein wahrer Schöpfer (Künstler, Denker) schafft aus dem eigenen Überfluss und diktiert der Welt seine Werte, anstatt sich für die Klicks der Masse zu prostituieren.
3. Was stimmt an der Annahme, dass das Seichte gewinnt?
Der Erfolg des Seichten auf YouTube und TikTok lässt sich durch handfeste Mechanismen erklären, die Nietzsches Thesen stützen:
- Algorithmische Amplifikation des Primitiven: Algorithmen reagieren auf Engagement (Watchtime, Klicks, Kommentare). Die stärksten Treiber für schnelles Engagement sind evolutionär tief verwurzelte Reize: Angst, Empörung, sexuelle Reize, Schadenfreude und die schnelle Belohnung durch Dopamin (Zucker-Rezepte, bunte Farben, laute Schnitte). Seichter Content bedient diese Reize perfekt.
- Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Komplexe, tiefgründige Inhalte erfordern kognitive Energie. Da das menschliche Gehirn Energie sparen möchte (besonders in der Freizeit), gewinnt im direkten Wettbewerb der unendlichen Auswahl fast immer das leichtere, seichtere Video.
Was würde Nietzsche dem reflektierenden Menschen empfehlen?
Nietzsches Rat an Sie unterscheidet sich fundamental von Schopenhauers Rückzug oder Pascals Stille. Er würde Ihnen kein friedliches „Digital Detox“ verordnen, sondern einen aktiven, kämpferischen Akt der Selbstbehauptung:
- „Werde, der du bist“ – Algorithmen-Boykott: Löschen Sie die Apps nicht aus Angst, sondern aus Stolz. Verweigern Sie der Maschine die Macht, Ihren Geschmack zu formen. Suchen Sie gezielt nach Inhalten, Büchern und Kunst, die Sie radikal herausfordern, die Sie verstören oder die Ihr Weltbild zertrümmern.
- Kultivieren Sie den „Pathos der Distanz“: Akzeptieren Sie, dass die Masse den seichten Müll feiert. Schauen Sie nicht mit Mitleid oder Wut darauf herab, sondern mit kühler Distanz. Nietzsche würde sagen: Überlassen Sie der Herde ihr Heu und suchen Sie sich Ihre eigenen, einsamen Höhen.
- Selbst schöpferisch werden: Statt Content zu konsumieren, sollen Sie selbst Werte und Dinge erschaffen. Schreiben Sie, malen Sie, bauen Sie etwas – und zwar ohne den Hintergedanken, ob es auf YouTube „performen“ würde. Der Wert einer Tat bemisst sich für Nietzsche niemals an ihrer Klickzahl, sondern an der Kraft und dem Leben, das in ihr steckt.
Fassung B
Das Duell im digitalen Kolosseum: Friedrich Nietzsche vs. MrBeast (Neuanlauf)
Setting: Ein grell erleuchtetes Studio. Im Hintergrund blinken riesige LED-Wände mit Abonnentenzahlen, die im Sekundentakt steigen. Links sitzt Jimmy Donaldson (MrBeast) – lässig im Hoodie, ein perfekt einstudiertes, blendend weißes Omnipräsenz-Lächeln im Gesicht. Rechts sitzt Friedrich Nietzsche – tief in seinen Sessel gepresst, den monumentalen Schnurrbart grimmig nach unten gezogen, die Augen voller mühsam beherrschter Raserei.
MrBeast: (schaut direkt in die Hauptkamera, klatscht enthusiastisch in die Hände) „Leute! Heute haben wir ein absolut verrücktes Video für euch! Ich habe den deprimiertesten Philosophen der Geschichte ausgegraben! Wenn Friedrich Nietzsche es schafft, nur drei unserer legendären Challenges mitzumachen, verschenke ich eine komplette tropische Insel an ein zufälliges Waisenhaus! Friedrich, Kumpel, wir starten direkt mit Challenge Nummer eins: Du musst 15 Minuten lang in diesem Pool aus flüssiger Feastables-Schokolade sitzen! Wie fühlst du dich?“
Nietzsche: (atmet schwer, seine Stimme bebt vor unterdrücktem Ekel, während er starr auf seinem Platz sitzen bleibt) „Nennen Sie mich nicht Kumpel, Sie… Sie Händler des Stumpfsinns! Ich blicke in Ihre Augen und sehe das gähnende Nichts. Glauben Sie tatsächlich, ich würde meinen Körper und meinen Geist für Ihre obszönen Spektakel hergeben? Ich weigere mich! Ich werde mich keinen Millimeter bewegen. Diese algorithmische Domestizierung ist der endgültige Triumph des Letzten Menschen. Sie kaufen sich die Seelen der Herde mit billigem Tand!“
MrBeast: (bricht in ein lautes, unbeschwertes Lachen aus, schaut amüsiert zur Crew hinter der Kamera) „Oh Mann, guckt euch diesen Blick an! Der Typ ist absolut fassungslos! Friedrich, Bro, entspann dich, das ist bester Content! Die Retention-Rate geht gerade durch die Decke, weil du so herrlich wütend guckst! Schaut euch dieses Entsetzen in seinen Augen an, Leute! Schreibt mal in die Kommentare, ob wir ihn trotzdem in die Schokolade werfen sollen!“
Nietzsche: (springt auf, seine Stimme überschlägt sich fast vor Entsetzen über Jimmys totale Gleichgültigkeit) „Es ist eine Schandtat! Sie vergiften das Höchste im Menschen! Sie amüsieren sich über die Entwürdigung des Geistes! Sie füttern die Masse mit digitalem Abfall, der so flach ist, dass selbst ein Regenwurm nicht darin ertrinken könnte! Sie haben den Schmerz, den Kampf, die heilige Notwendigkeit des Leidens durch ein ewiges, dümmliches Grinsen ersetzt! Ich werde an keiner einzigen Ihrer schwachsinnigen Prüfungen teilnehmen! Verstehen Sie das nicht? Ich verweigere mich dieser Arena der Nutzlosigkeit!“
MrBeast: (kann sich vor Lachen kaum auf dem Stuhl halten, wischt sich eine Freudenträne aus dem Auge) „Das ist genial! Er weigert sich einfach! Leute, er denkt wirklich, er hat eine Wahl! Aber weißt du was, Friedrich? Jede Sekunde, die du dich hier weigerst und mich anschreist, bringt uns zehntausend neue Abonnenten! Dein pures Entsetzen finanziert gerade den Bau von dreißig Brunnen! Du tust Gutes, während du mich hasst, ist das nicht養… ich meine, ist das nicht fantastisch?“
Nietzsche: (weicht fassungslos einen Schritt zurück, starrt auf die riesigen, unaufhörlich steigenden Zahlen an den Wänden) „Das… das ist die wahre Hölle. Ein System, das die Kritik an sich selbst als Treibstoff nutzt. Mein heiliger Zorn… bloß ein Klickmagnet für Ihre degenerierte Masse. Sie sind kein Mensch, Sie sind ein Dämon der Belanglosigkeit!“
MrBeast: (zwinkert der Kamera zu, schneidet eine dramatische Fratze) „Alles klar, die Zuschauer lieben das Drama! Da Friedrich sich weigert, in den Schokoladenpool zu springen, erhöhen wir den Einsatz! Wenn wir bis zum Ende des Videos die zweihundert Millionen knacken, muss Friedrich hier ein Feastables-Kostüm anziehen, während wir ihn mit Geldscheinen bewerfen. Friedrich, noch ein letztes Wort der Verweigerung für die Community?“
Nietzsche: (sinkt langsam wieder in seinen Sessel zurück, die Stimme plötzlich tief, beschwörend und von einer unheimlichen, erschöpften Ruhe getragen) „Die Community… das neue Wort für den Sumpf. Ihr feiert euren eigenen Untergang und nennt es Content. Ich sage euch: Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. Ihr Abgrund hat bloß ein buntes Thumbnail und ein Klick-Mich-Banner. Ich werde hier sitzen, stumm wie ein Stein, und Ihrem Untergang zusehen.“
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