Der Leise

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Der Leise

Im Reich der Tage, nah und fern, wo Menschen wirken – laut und gern –, da standen zwei auf fernen Bahnen, zwei Wege, die sich kaum erahnten.

Der eine, hell im Marktgetöse, ein Herr der Zahlen, schneller Größe, sein Schritt war Klang, sein Wort war Ruf, der hoch von Stuf’ zu Stufe schuf.

Er sprach zu Sälen, voll und schwer, zu Händlern, Kunden, immer mehr, sein Reich war Umsatz, Pflicht und Macht, das nur im Prunk des Tages lacht.

Der andre wirkte still und sacht, ein Denker, der in Nächten wacht, der Kunst erschuf aus Logikwegen und Schriften schrieb im leisen Regen.

Er formte Werke, fein und klar, die kaum ein Aug’ im Jetzt gewahr, doch jedes Stück, das er ersann, trug leise Ewigkeit heran.

Der Laute baute auf den Sand, auf Märkte, die der Sturm verbrannt, auf Zahlen, die im Wandel fliehen, auf Macht, die fällt, wenn Jahre ziehen.

Der Leise aber schrieb in Stein, in Formen, streng und logisch rein, in Rätseln, die die Zeit durchdringen, im Zeugnis von den tiefen Dingen.

So kommt der Tag, nach hundert Jahren, wenn Forscher alte Spuren wahren, da ruht der Laute längst im Staub, sein Werk verweht, sein Ruf wie Laub.

Doch jener, der im Stillen blieb, dessen Kunst die Zukunft liebt, steht hell im Blick der späten Welt, weil leise Kraft sich länger hält.

Und so erzählt die Zeit sodann, wie Lautes schnell vergehen kann, doch Leises – kaum im Jetzt erkannt – den Zahn der Zeit besiegt und bannt.


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