Ballade vom Wanderer Richard White
Ballade vom Wanderer Richard White
Aus Pattons Hügeln kam ein Knabe, Missouris Erde trug ihn sacht, und früh schon suchte seine Gabe den Wald, den Fluss, die stille Macht. Der Vater lehrte ihn die Pfade, die Kunst des Feuers, Zelt und Brot, und in des Kindes jungen Adern wuchs Wanderlust im Morgenrot.
Er reifte still in sanften Jahren, doch in ihm brannte Weltenmut, er wollte Länder offen fahren, wo Mensch und Wildnis atmen gut. Er lebte oft in fremden Dörfern, teilte Arbeit, Lied und Sinn, und suchte, ohne sich zu stören, den Ursprung, der im Einfachen beginnt.
Ein Forscher wurde er im Leben, ein Mann der Wissenschaft und Pflicht, in San Diego war sein Streben, doch blieb ihm Wald und Himmelslicht. Ein Doktor, der die Tiefe kannte, der Pharmakologie vertraut, doch dessen Herz in weiter Kante nach unberührter Wildnis schaut.
Er liebte Frau und Kind mit Treue, Silke und Mona, zart und klein, sie waren seines Lebens Reue, sein größter Stolz, sein mildes Sein. Doch rief ihn wieder Nordlands Weite, der Denali, rau und ungeheuer, und so begann die letzte Reise, die ihn dem Schicksal übergab.
Er wanderte allein die Ströme des Toklat, wild und ungefasst, und suchte jene stillen Räume, in denen man die Welt umfasst. Er trug sein Zelt, sein Brot, sein Wissen, und glaubte, dass er sicher sei, denn oft schon schlief er an den Rissen der Berge, stolz und sorgenfrei.
Am Freitag hob er seine Schritte, die Sonne stand in mildem Glanz, und in des Flusses Kiesesmitte sah er den Bären wie im Tanz. Ein großer Grizzly, stark und würdig, ein Herr der Beeren, ruhig und schwer, und White, vom Augenblick verführig, hob seine Kamera empor.
Zunächst war Abstand noch gegeben, siebzig Meter, sicher weit, der Bär, in seinem stillen Leben, verlor sich ganz in Beerenschmaus. Er hob den Kopf nicht, sah nicht einmal, als wär der Mensch nur Luft und Wind, und White, gefangen im Urknall, trat näher, wie es Träumer sind.
Er machte Bilder, sechsundzwanzig, in sieben Minuten, klar und rein, und glaubte, Herr des Augenblicks, nicht Beute eines wilden Sein. Der Abstand sank auf fünfzig Schritte, doch blieb der Bär in sanfter Ruh, und White vergaß die alte Bitte, die Ranger lehren: „Geh zurück!“
Die Friedlichkeit des Tieres täuschte, sein Schweigen wirkte wie ein Schild, und White, der Forscher, glaubte leise, dass er die Lage richtig sieht. Doch plötzlich hob der Bär den Kopf, ein Ende jeder Sicherheit, sein Blick war hart wie Fels im Tropf, ein Urteil ohne Gnadenzeit.
Die letzten fünf der Bilder zeigten den Wandel wie ein Donnerwort: Der Bär begann, den Mann zu deuten, und setzte seine Schritte fort. Ein Grizzly, der im Sprint erwacht, durchmisst die Welt in Sturmgebraus, und fünfzig Meter sind nur Nacht, wenn solch ein Tier zum Angriff rauscht.
White hatte kaum vier Atemschläge, kein Lauf, kein Ruf, kein letzter Schutz, und jede Hoffnung, die er hegte, verwehte wie ein welkes Nutz. Der Bär traf lautlos, ohne Drohen, ein Jäger, der sein Ziel erkannt, und White, vom Schreck noch halb erhoben, versank im Griff der wilden Hand.
Er fiel, und Fluss und Himmel schwanden, sein Blut vermischte sich mit Sand, und als die letzten Kräfte enden, lag er im Weidengebüsch verbannt. Der Bär verscharrte ihn im Dickicht, ein Lager seiner Nahrungspflicht, und später fanden Wanderblicke nur Rucksack, Blut und zerrissene Gesicht.
Die Ranger kamen, sahen oben den Grizzly über seinem Rest, und mussten, schwer von Pflicht erhoben, den Herr der Berge niederlegen. So endete des Wanderers Pfad, ein Forscher, Vater, Weltensohn, und all sein Streben, all sein Rat verglühte in des Bären Thron.
Doch bleibt sein Leben nicht verloren, denn wer die Wildnis tief versteht, der weiß: Wir sind nur als Gast geboren in einer Welt, die weitergeht.
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