Ballade vom späten Leben des Franz Innerhofer Baustellen

 Baustellen gedicht.... unausgearbeitet... roh... 


Ballade vom späten Leben des Franz Innerhofer

Der Umzug nach Graz – 1980

In den Straßen von Graz, wo der Wind über Dächer pfauchte, zog Franz Innerhofer ein, als ob ein neuer Anfang sich anbannte. Die Jahre seines Ruhms lagen hinter ihm, schwer wie ein Stein, doch er hoffte, im Alltag könne noch etwas heilsamer sein.

Mit Ilse Falk teilte er Wohnung und Tisch, ihr Zusammensein war schlicht, doch für ihn lebenswichtig und frisch. Er schrieb an den Tagen, die still durch die Fenster zogen, doch die Worte blieben stecken, wie Vögel, im Fenstergitter gefangen - die nicht mehr flogen.

Die Steuernachforderungen kamen wie Regen, der niemals versiegt, und jeder Brief vom Amt war ein Schlag, der ihn psychisch niederbiegt. Er rechnete, kürzte, verzichtete – kaufte kaum Fleisch, kaum Wein, nur Zigaretten, Wein und billigen Kaffee – der Geldvorrat war schon damals zu klein.

Der Emporkömmling – 1982

Er rang mit dem Roman, der ihm nicht gelingen wollte, schrieb Nächte hindurch, weil er glaubte, dass er es sollte. Doch Der Emporkömmling fand kaum Leser, die Kritiker blieben stumm, und der Schmerz über das Schweigen machte ihn psychisch gesehen ganz krumm.

Er konnte sich wenig leisten: – Neue Kleidung - kaum, nur geflickte Hemden und Hosen, – Heizkosten wurden zum Winterproblem, wie gefrorene Rosen, – Bücher kaufte er nur gebraucht, wenn überhaupt, – Arztbesuche vermied er, weil er der hohen Rechnung nicht vertraut.

Doch er hielt sich an die Hoffnung, dass ein Text ihn noch retten kann, und so schrieb er weiter, Tag für Tag, ein hoffender Mann.

Die Trennung – 1987

Als Ilse Falk dann ging, brach sein Alltag entzwei, und die Wohnung in Graz wurde plötzlich zu groß und zu frei. Er saß an den Abenden allein, mit dem Blick auf die leere Wand, und die Stille im Raum war wie ein seelenloses Land.

Er aß nun oft kalt, aus Konserven, aus Dosen, die Miete war schwer zu bezahlen, die Sorgen unermesslich groß. Er rauchte mehr, trank mehr, sprach aber dafür immer weniger – und jeder Tag wurde schwerer...

Die Libreria italiana – 1988

Er gründete die Libreria italiana, ein Ort, der ihm heilig erschien, ein „Wirtshaus des Geistes“, wie er sagte, doch kaum jemand verirrte sich hin. Die Regale standen voll italienische Bücher, die niemand kaufte, und die Stunden im Laden waren lang - seine Seele schnaufte.

Er saß dort täglich, rauchte, trank Kaffee, die Einnahmen waren gering. Es war bitterkalt in einsamen Schnee – kaum sichtbar, sofort wieder fort. Doch der Laden wurde sein letzter vertrauter Ort.

Er konnte sich leisten: – Billigen Kaffee aus dem Automaten, – Zigaretten, die er einzeln kaufte, wenn die Stange zu teuer war, – Rotwein aus dem Supermarkt, der billigste, den es gab.

Er konnte sich nicht leisten: – Reisen, – Neue Möbel, – Reparaturen in der Wohnung, – Gesundheitsversorgung, – Kulturelle Ausgänge, die früher selbstverständlich waren.

 1990er Jahre

Er ging ins Espresso Binder, ins Café Wolf, trank dort Wein, der billig war, doch ihm half, die Stimmen der Vergangenheit zu dämpfen, die ihn oft nachts aus dem Schlaf herausrissen.

Sein Alltag wurde klein, sein Radius schmal, die Wohnung ein Ort, den er tagelang nicht verließ.

Er schrieb an Das rechte Murufer, doch die Seiten blieben Fragmente, wie sein Leben selbst – angefangen, aber nicht vollendet.

Die letzten Jahre – 1998–2002

Er lebte nun von Sozialhilfe, von kleinen Beträgen, die kaum reichten für Brot und Wein. Er kaufte das Billigste, immer das Billigste, und oft reichte es nicht einmal dafür.

Die Tage wurden still, die Nächte lang, und er sprach kaum mehr mit Menschen, die ihm einst nah waren.

Sein Alltag war ein Zimmer, ein Tisch, ein Stuhl, ein Aschenbecher, ein Glas.

Und am 19. Jänner 2002 endete sein Weg, ein stiller Abschied, ein letzter Schritt in der Einsamkeit.

Epilog 

So singt diese Ballade von einem Mann, der einst mit Worten Welten erschaffen kann, doch später im Leben, im Kampf mit der Zeit, verlor, was ihm blieb: die Möglichkeit.

Ein Schwanengesang ohne Schatten, doch mit Armut, die nackt und klar, mit Tagen, die schwer waren, und Nächten, die ohne Antwort war’n.

Ein Lied für Franz Innerhofer, dessen Leben nach 1980 ein stilles, hartes Ringen war.


Die Jahre der kleinen Wege – 1990–1995

Die Straßen von Graz wurden enger für ihn, als ob sie sich schlossen vor seinem Sinn. Er ging nur noch Wege, die kurz waren und leise, die Stadt wurde für ihn zur beschwerlichen Reise.

Er kaufte im Billamarkt Brot, das am Vortag lag, weil es günstiger war – ein gesparter Tag. Er wählte den billigsten Wein im Regal, ein roter, der brannte, doch war er egal.

Sein Kühlschrank war leer, oft tagelang, nur ein Stück Käse, ein Brot – ein dürftiger Klang. Er kochte kaum mehr, die Lust war fort, die Küche ein stillgelegter Ort.

Er konnte sich leisten: – Einzelzigaretten, wenn das Geld knapp war, – Kaffee im Binder, schwarz und bitter, Jahr um Jahr, – Ein altes Radio, das krächzte im Zimmer, – Zeitungen vom Vortag, billiger, dünner.

Er konnte sich nicht leisten: – Neue Schuhe, die Sohlen waren durch, – Reparaturen, die Wohnung im traurigen Zustand, – Arztbesuche, die er immer verschob, – Freunde einladen – dazu fehlte der Mut und der Proviant.

IX. Die Libreria im Winterlicht – 1995–1998

Die Libreria italiana wurde im Winter ein frostiger Ort, die Heizung schwach, die Kälte ein ständiges Wort. Er saß dort mit Mantel, die Hände im Schoß, und die Stunden vergingen – endlos, groß.

Die Bücher standen wie stumme Soldaten, niemand fragte nach ihnen, niemand tat warten. Er ordnete sie täglich, aus reiner Gewohnheit, ein Ritual gegen die innere Unordnung, die Einsamkeit.

Manchmal kam ein Freund, ein alter Bekannter, sie sprachen von früher, doch Innerhofer wurde kranker. Er lächelte selten, sein Blick ging weit, als suche er etwas, das längst nicht mehr bleibt.

Er trank seinen Kaffee, der bitter war, und rauchte dazu, Jahr um Jahr. Der Rauch hing im Laden wie ein graues Tuch, und die Zeit schrieb sich ein in sein letztes Buch.

X. Die Nächte der Erinnerung – 1998–2000

Die Nächte wurden schwer, die Gedanken laut, er hörte die Stimmen der Kindheit, vertraut und doch grausam gebaut. Er lag auf dem Bett, die Decke zu dünn, und fragte sich oft, wo er im Leben noch hin.

Er schrieb an Fragmenten, an Sätzen, die brachen, an Figuren, die schrien, an Erinnerungen, die stachen. Doch die Seiten blieben lose, wie Blätter im Wind, und er wusste, dass sie unvollendet sind.

Er konnte sich leisten: – Billigen Rotwein, der ihn müde machte, – Kaffee aus dem Automaten, der ihn wach hielt, – Ein altes Notizbuch, in das er schrieb, – Stille, die ihn umgab wie ein Mantel.

Er konnte sich nicht leisten: – Hoffnung, die ihm entglitt, – Gesellschaft, die er mied, – Zukunftspläne, die er nicht mehr schmiedete.

XI. Die letzten Schritte – 2000–2002

Die Jahre wurden dünn wie Papier, und er lebte nur noch im Jetzt und im Hier. Die Sozialhilfe kam, ein kleiner Betrag, doch er reichte kaum für den nächsten Tag.

Er ging nur noch selten hinaus in die Stadt, sein Körper war müde, sein Blick war matt. Die Wohnung war still, ein Ort ohne Klang, und die Nächte wurden unendlich lang.

Er sprach kaum mehr, die Worte versiegten, und die letzten Freunde sich langsam entfernten. Er saß oft am Tisch, mit dem Glas in der Hand, und dachte an früher – ein fernes Land.

Am 19. Jänner 2002, in der Idlhofgasse, endete sein Weg, leise, ohne große Masse. Ein stiller Abschied, ein letzter Schritt, und niemand wusste, was er im Innersten litt.

XII. Schlussgesang

So klingt die Ballade vom späten Leben, von einem Mann, der einst so viel konnte geben. Von Armut, die nackt war, von Tagen, die schwer, von Nächten, die kamen und gingen – leer.

Ein Lied für Franz Innerhofer, dessen Leben nach 1980 ein stilles, hartes Ringen war...

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