Ballade vom Engländer, der nie schlief

 

Ballade vom Engländer, der nie schlief

In Wiens Postgasse, wo die Nächte glänzen, stand ein Haus, das bis eins am Morgen brannte – ein Ort aus Künstlerstimmen, Gläsern, leisen Tänzen, wo ein Patron die Stadt im Herzen spannte.

Der Engländer, ein König mit charmanter Krone, trug täglich seine Maske aus Stil und Licht. Er sprach im schönsten Ton, als wär’s eine Bühne, doch hinter seinem Lächeln brach sein Sorgengewicht.

Von früh um acht bis tief nach Mitternacht war jeder Tag ein endlos off’ner Kreis. Kein Ruhetag, kein Ausruhen, nie unbewacht – nur Pflicht und Glanz und zu hoher Preis.

Er grüßte Künstler, Politiker, Journalisten - feine Leute, war Gastgeber, der halbe Wien verstand. Doch wer für alle strahlt, verbrennt sich heute oft selbst – im stillen, inneren Brand.

Wenn eins geschlagen hat, begann das Kehren, die Abrechnung, das Putzen, das Sortieren. Und während draußen schon die Zeit verging, blieb er im Haus, gefangen im Regieren.

Er reiste selten – und wenn, dann mit Gedanken an Karten, Licht und Kellner, die er sah. Kein Urlaub ohne Pläne, die ihn schwanken ließen zwischen Sehnsucht und Gefahr.

Nur Wald und Jagd bot ihm ein stilles Schweigen, ein kurzes Fallenlassen aller Pflicht. Dort konnte er dem Lärm der Stadt verweigen, doch selbst das reichte nicht.

So fand man ihn – im Traum, das er erschaffen, in jenem Wohnzimmer, der ihm die Seele nahm. Die Stadt verstummte, als die Nachricht traf, und jeder spürte plötzlich seinen Schahm.

Doch Wien behält ihn – in den warmen Räumen, in jedem Gruß, der freundlich Namen nennt, in Nächten, die von fernen Sterne träumen, und in dem Glanz, den man bis heute kennt.

Leb wohl, Patron der langen, nächtlichen Stunden. Leb wohl, du freundliche Stimme, die ganz Wien durchdrang.

Im Gedenken an Christian Wukonigg

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