Wahrheit ist unvergänglich
Ein Schwan erhebt sich überm See,
sein Lied zieht Kreise, weich und sacht. Er singt von einem, der im Geh’n die Welt bewahrte über Nacht.
Ein Wanderer, der unerkannt durch Dörfer, Felder, Zeiten ging, der nie nach Ruhm, doch nach Verstand und nach dem Klang des Echten fing.
Er sprach von Freiheit, leis und rein, von Würde, die im Herzen wohnt, von Menschen, die im Innern sein, was keine laute Menge lohnt.
Doch selten hörte man ihn an, zu sehr war jedes Ohr gefüllt. So sang der Schwan für diesen Mann, dessen Wort im Schweigen stillt.
Er warnte vor der leisen Macht, die Menschen trennt von ihrem Kern, vor einer Welt, die kaum noch lacht, und sich vom Menschlichen entfernt.
Doch seine Mahnung, klar und fein, verhallte wie ein ferner Ton. Der Schwan singt: „Nichts ist je zu klein, um Wahrheit zu sein – und Lohn.“
Die Jahre gingen, wie sie gehn, und kaum bemerkt verging der Mann. Doch seine Spuren blieben stehn, wo nur ein Sehender sie fand.
Erst später, als die Zeit schwer lag, erkannte man, was er verstand: dass jeder Mensch, der Wahrheit mag, ein Licht in dunkler Erde fand.
So steigt der Schwan zum letzten Flug, sein Lied wird dünn wie Morgenglas. Er ruft: „Bewahrt, was bleiben muss, solang ihr noch die Kraft dazu in Händen hasst.“
Dann schweigt er, und der See wird weit, nur ein letzter Kreis verrinnt. Doch wer ihn hört, in stiller Zeit, weiß, dass sein Lied im Herzen singt.
-
Ein Schwan zieht einsam überm Grund, sein Flügelschlag wie fernes Beben. Er singt von einem, der im Mund das letzte Wort trug über Leben.
Ein Wanderer, der namenlos durch kalte Jahre weiterging, der suchte Wärme – fand sie bloß in einem Lied, das niemand singt.
Er sprach von Würde, still und klar, von Menschen, die sich selbst verlieren, von einer Zeit, die härter war, als Worte je den Kern berühren.
Doch kaum ein Ohr blieb ihm gewährt, zu laut war all das schnelle Treiben. So blieb sein Ruf, so unbeschwert, im Wind gefangen, ohne Bleiben.
Der Schwan erzählt von jener Nacht, in der der Wanderer verstummte. Kein Funke mehr, der leise lacht, nur eine Stille, die ihn umhüllte.
Er warnte einst vor kaltem Sinn, vor Herzen, die im Lärm ermatten. Nun trägt der Schwan sein Ende hin, in schweren, langsam sinkenden Schatten.
Die Welt ging weiter, wie sie geht, und kaum bemerkt verging der Mann. Nur dort, wo jemand stehen bleibt, spürt man, was er noch tragen kann.
Ein Rest von Wahrheit, hart und fein, ein Funke, der im Dunkeln glimmt. Der Schwan singt: „Nichts ist je zu klein, wenn es im Schweigen weiterstimmt.“
Zum letzten Flug erhebt er sich, sein Lied wird brüchig, tief und fern. Er ruft: „Bewahrt das Menschliche, solang ihr noch das Menschsein lernt.“
Dann fällt sein Klang wie schwerer Schnee, verweht im Raum, verweht im Wind. Doch wer ihn hört am stillen See, weiß, dass wir alle vergänglich sind.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen