Rupert Prommegger zum Gedenken (* 23.09.1942 - † 07.02.2019)

Rupert Prommegger zum Gedenken

(23.09.1942 – 07.02.2019)

Ich sah ihn einst im Stein, im Terrassenlicht, wenn Rupert – still, gesammelt – leise spricht von Jahren, Arbeit, Pflicht und einem Sein, das unaufdringlich war und dennoch klar und rein.

Er sprach nicht viel. Doch wenn ein Wort aus seinem Mund sich löste, trug es fort den Klang der Alten, jener Philosophen, die barfuß gingen, ohne Ruhm zu hoffen.

Ich lernte ihn in jenen Nächten kennen, als wir uns trennten zwischen fremden Menschenmengen, und Rupert stand mit fester Hand – unerschütterlich wie eine Wand.

Er lebte Werte, nicht als Wort, er trug sie still und sicher fort: Achtsamkeit, Diskretion, ein ernstes Pflichtgesicht, ein inneres, unerschütterliches Licht.

Mit Eugenio teilte er die Schicht, und manchmal sah ich in sein Gesicht ein Funkeln, das aus seinem Innern kam, wenn Philosophie ihn tief und leise übernahm.

Er sprach von Pflicht, von Schopenhauer, vom blinden Willen, der uns alle überdauert, von jener Welt, die bloßes Treiben sei – und was den Menschen macht ganz frei.

Denn ich trug seit frühen Jahren ein altes Wissen in den Haaren, ein Wissen, das wie wehmütiger Wind mich schon bezauberte, seit ich ein Kind.

Rupert verstand das – ohne Wort. Er wich nie ab, er trug es fort, den inneren Kompass, klar und still, der stets das Gute ohne Laute will.

Als das Hotel verkauft ward, ging er fort, fand Arbeit am Wolf‑Dietrich‑Ort, als Nachtportier im Dämmerlicht, wo Stille herrscht und niemand spricht.

Er pflegte seine Mutter treu, war freundlich, aufrichtig und scheu, ein Mensch, der nie nach vorne drängte, sondern im Hintergrund die Welt besänftigte.

Doch dann – die Jahre gingen sacht – und ich verlor ihn einst aus tiefer Nacht. Ich wusste nicht, wohin er ging, wie leise seine letzte Stunde klingt.

Erst später, wie ein kalter Schlag, erfuhr ich’s – viele Jahre lag die Wahrheit still im Erdengrund: 2019 starb er – mit verschlossenem Mund.

Begraben liegt er, fern vom Lärm, im Kommunalfriedhof, schlicht und ernst. Ein Grab, das schweigt, wie er stets schwieg, ein Ort, an dem sich keiner mehr verstieg.

Und ich stand da, von Schmerz durchdrungen, als hätt’ die Welt mir was genommen, das still in meinem Herzen wohnte, ein Freund, der nie nach Worten lohnte.

Da spürte ich erneut, wie sehr die Welt zerfällt – wie nichts mehr bleibt als Staub und Traum, ein welkes Blatt am Lebensbaum.

Doch Rupert lebt – in jenem Raum, den nur Erinnerung erbaut, in jenem stillen, tiefen Traum, der über alle Nebel taut.

Er war ein Mensch von festem Kern, ein leiser Stern aus weiter Fern von Wahrheit, Güte, Pflicht und Sinn – und ich verneige mich vor ihm.

Denn solche Menschen, still und klar, sind selten heut – und doch so wahr. Sie lehren uns, was bleibt im Wind: dass wir vergänglich, doch verbunden sind.

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