Nietzsche rohes material für das arbeiten
Rohmaterial.... entwürfe... dahingeschrieben in eile
Ich ging allein durch fremde Gassen,
kein Mensch, der meinen Namen sprach. Die Welt, die mich nicht gelten lassen, ging stumm an meinem Denken ..ach.
Ich lebte von bescheidnen Gaben, von einer Rente, knapp und klein. Dreitausend Franken durfte ich haben, doch reichten sie kaum aus zum Sein. Ich zahlte Druck für eigne Schriften, die niemand las, die niemand sah; und musste, um mich aufzurichten, durch halbe Länder Jahr für Jahr.
Mein Magen war mein steter Feind, er brannte wie ein stiller Fluch. Ich aß, was mir am mildsten scheint: ein wenig Milch, ein Stückchen Zwieback, ein Apfel, den ich langsam kaute, ein Omelett, wenn der Tag gelang. Doch Fleisch begehrte ich, wenn ich’s brauchte, ein kräftig Stück, das mich nicht zwang. Nie aß ich spät, nie aß ich viel, denn voller Bauch hieß Nachtqual pur; und Schlaf – mein fernstes Lebensziel – zerbrach an meiner kranken Natur.
Ich schrieb am Morgen meine Lieder, am Nachmittag im Wanderschritt. Die Berge trugen meine Glieder, mein Denken ging im Gehen mit. Und tagelang, in stillen Räumen, sprach ich kein Wort zu einem Mann; ich musste meine Welt verträumen, weil niemand meine Welt verstand.
Dann kam das Erbe – spät, zu spät: zweihunderttausend Euro heut. Ein Geld, das wie ein Segen steht, doch nur den Wahnsinn noch betreut. Denn als die Tante mir’s vermachte, war schon mein Geist im Nebelmeer; und was ich einst im Klaren dachte, verlor sich langsam, Stück um Stück, und kehrte nimmermehr zurück.
Erst da – im Dunkel meines Falles – entdeckte mich die große Welt. Da wurden laut die Stimmen alles, was vorher schweigend mich entstellt. Da wurden meine Bücher teuer, da floss das Geld ins Archiv hinein; doch ich, der längst im eignen Feuer verlosch, blieb stumm wie Mondenschein.
So sing ich nun, bevor ich ende, ein letztes Lied, das weiterzieht. Ein Schwan, der seine Wahrheit sende, und schweigt, wenn ihn die Welt verdient.
Ein Wanderer ging durch fremde Räume,
ein Name, der in keinem Traume der Menschen je Gestalt gewann; er ging, und keiner sah ihn an.
Er lebte still von kleiner Rente, die Basel ihm aus Treue gab. Dreitausend Franken – schmale Spende, ein schmales Maß für seinen Stab. Er zahlte Druck aus eignen Händen, weil niemand seine Werke nahm; und während andre Ruhm empfänden, blieb er ein Fremder, der nur kam.
Sein Magen war ein strenger Hüter, ein Wächter über jeden Biss. Er aß nur leicht – die sanften Güter, die milde Milch, den Apfelriss. Ein Ei, ein Brot, ein schlichtes Mahl, ein Omelett, wenn der Tag es trug; und Fleisch, wenn Kraft ihm einmal fehlte, doch nie zu spät, nie im Überzug.
Er schlief kaum je, nur kurze Strecken, sein Leib war müde, sein Geist gespannt. Er suchte Ruhe in den Ecken der Berge, wo er Wege fand. Fünf Stunden, acht – er ging und dachte, sein Denken trug ihn Schritt für Schritt; und abends schrieb er, was er brachte, und nahm den Tag in Worten mit.
Und niemand sprach ihn je beim Namen, kein Bürger, Wirt, kein Reisender. Er ging durch Städte wie durch Rahmen, durch die man still hindurch nur fährt. Er war das leiseste der Wesen, ein Denker ohne jedes Ohr; kein Kreis, kein Ruf, kein kleines Lesen drang je zu seinem Herzen vor.
Dann kam das Erbe – spät, zu spät: zweihunderttausend Euro heut. Ein Gut, das wie ein Segen steht, doch nur die äußre Last betreut. Denn als die Tante ihm’s vermachte, war schon sein Denken fern und weit; und was er einst im Klaren dachte, verlor sich in der eignen Zeit.
Erst da – im Ende seines Strebens – entdeckte ihn die große Welt. Da wurden laut die Stimmen Lebens, die vorher schweigend ihn entstellt. Da wurden seine Bücher teuer, da floss das Gold ins Haus hinein; doch er, der längst in eig’ner Feier verklungen war, blieb still und rein.
So endet nun des Einsamen Lied, ein letzter Klang, der weiterzieht. Ein Mann, den niemand je verstand, bis fern von ihm die Welt entbrannt.
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