Ich ging als Knabe schon den stillen Pfad
Ich ging als Knabe schon den stillen Pfad,
wo Nachtgedanken schwer wie Steine lagen, und las in Büchern, die kein Lehrer hat, um mir den Sinn des Daseins selbst zu sagen.
Schopenhauer sprach zu mir im Kerzenlicht, sein Wort war streng, doch wie ein Bruder leise. Ich kaute jede Zeile, Satz für Satz, Gesicht an Gesicht, und folgte ihm auf seiner dunklen Reise.
Nicht für den Lohn, nicht für den Glanz der Welt, nicht für Applaus, nicht für die goldnen Zahlen. Ich suchte nur, was jenseits aller Dinge hält, und fühlte früh das leise Sterben in den Sommerstrahlen.
Ich sah die Menschen rennen, blind und bang, nach Jugend, Muskeln, Häusern, schnellen Wagen. Sie glaubten, Glück sei laut und grell und ewig -lang, doch ich sah schon den Herbst in ihren Tagen.
Dann kam Jo Lindner — hell wie ein Meteor, ein Körper, der die Massen rasch betörte. Er lebte, was die Zeit verlangt’ zuvor, und tat, was ihre laute Sehnsucht hörte.
Er war der Spiegel einer Welt im Wahn, die Jugend, Kraft und Schönheit ewig wollte. Er trug den Traum der Menge magnetisiert im Bann, und starb an dem, was Wahn an ihm entrollte.
Und so verstand ich, was die Menge flieht: Dass nichts von Dauer ist, was sie begehrt. Dass jeder Muskel, der im Spiegel glüht, vergeht, wie jedes Bild, das man verehrt.
- Der tragische Abbruch:
- Jo Lindner erreichte den absoluten Gipfel des weltweiten Erfolgs, des Ruhms und der körperlichen Ästhetik. Doch mit nur 30 Jahren riss ihn ein Aneurysma abrupt aus dem Leben.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen