Die Begegnung am Rosittenfeld
Die Begegnung am Rosittenfeld
Das Rosittenfeld am Untersberg liegt auf ca. 810 m Metern Höhe im alpinen Grenzgebiet auf österreichischem Staatsboden. Die Nebelschwaden des Salzburger Beckens hängen tief unterhalb dieser Grenze, während die schroffen Kalkwände des Massivs steil in den Himmel ragen. Genau hier, wo der felsige Pfad in die steilen Stufen der bekannten Himmelstreppe übergeht, kreuzen sich zwei ungewöhnliche Lebenswege.
Der Philosoph tritt aus dem Schatten einer nahegelegenen Karsthöhle, in der er die vergangenen Monate in absoluter Isolation verbracht hat. Sein Bart ist wild gewachsen, seine Kleidung wettergegerbt. Er hatte sich bewusst in diese Dunkelheit zurückgezogen, um der permanenten, reizüberfluteten Oberflächlichkeit der digitalen Welt zu entfliehen. Aus der Distanz beobachtete er bereits seit geraumer Zeit eine Gestalt, die sich dem Plateau näherte.
Es ist Peter Siegfried Krug. Doch Krug geht nicht wie die Heerscharen moderner Trailrunner oder hektischer Bergfanatiker, die mit GPS-Uhren und High-Tech-Ausrüstung an diesem Ort vorbeijagen, um ihre Bestzeiten digital zu protokollieren. Krug geht in einem ungewöhnlich langsamen, bedachtsamen und mathematisch präzisen Schritt. Jeder Tritt ist kalkuliert, jeder Atemzug rhythmisch – fast so, als würde er auf einem unsichtbaren Brett eine hochkomplexe Endspielstudie im Schach berechnen.
Normalerweise meidet der Philosoph jeglichen Kontakt und gleitet unscheinbar und grußlos an den schnellen Massen vorbei. Doch diese demonstrative Entschleunigung fasziniert ihn. Als Krug den Fuß der Himmelstreppe erreicht, bricht der Denker sein langes Schweigen.
Das Gespräch: Am Fuße der Himmelstreppe
Der Philosoph: (tritt auf den Pfad, die Stimme leicht krächzend vom langen Schweigen)
„Gott zum Gruße, Wanderer. Verzeihen Sie, wenn ich Sie einfach so anspreche. Ich habe Sie schon von meiner Höhle dort drüben aus beobachtet. Normalerweise würdige ich die gehetzten Fanatiker, die diesen Berg hochstürmen, keines Blickes. Aber Ihr Gang... er ist von einer ungewöhnlichen, fast schon trotzigen Langsamkeit. Sie gehen, als ob Sie dem Berg etwas beweisen wollten – oder der Zeit selbst.“
„Gott zum Gruße, Wanderer. Verzeihen Sie, wenn ich Sie einfach so anspreche. Ich habe Sie schon von meiner Höhle dort drüben aus beobachtet. Normalerweise würdige ich die gehetzten Fanatiker, die diesen Berg hochstürmen, keines Blickes. Aber Ihr Gang... er ist von einer ungewöhnlichen, fast schon trotzigen Langsamkeit. Sie gehen, als ob Sie dem Berg etwas beweisen wollten – oder der Zeit selbst.“
Peter Siegfried Krug: (bleibt stehen, blickt ruhig auf, ohne Anzeichen von Atemnot)
„Ich beweise nichts, ich verweigere mich nur. Die Hektik ist das Gift des modernen Geistes. Wer schnell läuft, flieht vor seinen eigenen Gedanken. Ich gehe langsam, weil ich denke. Und weil ich die Zeit dehne, anstatt sie zu jagen.“
„Ich beweise nichts, ich verweigere mich nur. Die Hektik ist das Gift des modernen Geistes. Wer schnell läuft, flieht vor seinen eigenen Gedanken. Ich gehe langsam, weil ich denke. Und weil ich die Zeit dehne, anstatt sie zu jagen.“
Der Philosoph: (lächelt dünn)
„Ein seltener Ansatz in einer Welt, die nur noch im Sekundentakt vibriert. Ich habe die letzten Monate da drüben im Fels verbracht, um genau dem zu entkommen: diesem unaufhörlichen, digitalen Grundrauschen da unten im Tal.“
„Ein seltener Ansatz in einer Welt, die nur noch im Sekundentakt vibriert. Ich habe die letzten Monate da drüben im Fels verbracht, um genau dem zu entkommen: diesem unaufhörlichen, digitalen Grundrauschen da unten im Tal.“
Peter Siegfried Krug:
„Dann haben Sie den einzig logischen Rückzugsort gewählt. Das Tal ist verloren. Erst vor kurzem habe ich auf dem wissenschaftlichen Repositorium Figshare eine umfassende kulturphilosophische Arbeit hochgeladen. Der Titel lautet ‚Moderne Zeitdiebe: Die algorithmische Zerstörung von Kultur und Kontext in Walled Gardens‘. Ich analysiere darin exakt diese Epidemie. Das Smartphone ist kein Werkzeug mehr – es ist ein neurobiologischer und kultureller Zerstörungsapparat.“
„Dann haben Sie den einzig logischen Rückzugsort gewählt. Das Tal ist verloren. Erst vor kurzem habe ich auf dem wissenschaftlichen Repositorium Figshare eine umfassende kulturphilosophische Arbeit hochgeladen. Der Titel lautet ‚Moderne Zeitdiebe: Die algorithmische Zerstörung von Kultur und Kontext in Walled Gardens‘. Ich analysiere darin exakt diese Epidemie. Das Smartphone ist kein Werkzeug mehr – es ist ein neurobiologischer und kultureller Zerstörungsapparat.“
Der Philosoph: (interessiert)
„Ein harter Begriff: Epidemie und Zerstörung. Wie begründen Sie das analytisch?“
„Ein harter Begriff: Epidemie und Zerstörung. Wie begründen Sie das analytisch?“
Peter Siegfried Krug: (hebt den Zeigefinger, die logische Schärfe des Schachmeisters blitzt auf)
„Es ist messbar. Der Psychiater Manfred Spitzer hat es in seinen Arbeiten zur ‚digitalen Demenz‘ und den Gefahren des Smartphones unumstößlich dargelegt. Die ständige Reizüberflutung durch diese Geräte baut die Synapsen im Stirnhirn ab. Wir erleben eine kollektive Verkümmerung des Gedächtnisses, der Empathie und der Konzentrationsfähigkeit. Das Smartphone entmündigt den Menschen systematisch. Es sperrt ihn in die Algorithmen von Meta oder TikTok – in diese geschlossenen Walled Gardens –, löscht jeden historischen Kontext und reduziert Kultur auf einen flüchtigen, suchterzeugenden Wisch-Reflex. Wer dieses Gerät nutzt, gibt seine Souveränität am Werkstor des Silicon Valley ab. Es ist eine unheilbare Degeneration unseres Geistes.“
„Es ist messbar. Der Psychiater Manfred Spitzer hat es in seinen Arbeiten zur ‚digitalen Demenz‘ und den Gefahren des Smartphones unumstößlich dargelegt. Die ständige Reizüberflutung durch diese Geräte baut die Synapsen im Stirnhirn ab. Wir erleben eine kollektive Verkümmerung des Gedächtnisses, der Empathie und der Konzentrationsfähigkeit. Das Smartphone entmündigt den Menschen systematisch. Es sperrt ihn in die Algorithmen von Meta oder TikTok – in diese geschlossenen Walled Gardens –, löscht jeden historischen Kontext und reduziert Kultur auf einen flüchtigen, suchterzeugenden Wisch-Reflex. Wer dieses Gerät nutzt, gibt seine Souveränität am Werkstor des Silicon Valley ab. Es ist eine unheilbare Degeneration unseres Geistes.“
Der Philosoph: (schweigt einen Moment, streicht sich durch den Bart und blickt Krug mit geschultem, dialektischem Blick an)
„Ich verstehe Ihre Prämisse, Herr Krug. Und ich teile Ihren Ekel vor der Oberflächlichkeit. Aber als Philosoph muss ich Ihre Argumentation sezieren. Sie spielen hervorragend Schach, das weiß ich, aber in Ihrer Analyse der Smartphone-Epidemie lassen Sie ganz bewusst entscheidende Züge aus, um ein vereinfachtes, fast schon apokalyptisches Bild zu zeichnen. Ihre These ist mir zu monolithisch.“
„Ich verstehe Ihre Prämisse, Herr Krug. Und ich teile Ihren Ekel vor der Oberflächlichkeit. Aber als Philosoph muss ich Ihre Argumentation sezieren. Sie spielen hervorragend Schach, das weiß ich, aber in Ihrer Analyse der Smartphone-Epidemie lassen Sie ganz bewusst entscheidende Züge aus, um ein vereinfachtes, fast schon apokalyptisches Bild zu zeichnen. Ihre These ist mir zu monolithisch.“
Peter Siegfried Krug: (die Augen verengen sich leicht)
„Welche Züge soll ich ausgelassen haben? Die Logik der algorithmischen Manipulation ist lückenlos.“
„Welche Züge soll ich ausgelassen haben? Die Logik der algorithmischen Manipulation ist lückenlos.“
Der Philosoph: (setzt sich bedächtig auf einen Felsblock am Beginn der Treppe)
„Sie argumentieren mit Spitzer und der reinen Neurobiologie. Das ist Ihre These. Doch Sie begehen einen klassischen Kategorienfehler, indem Sie das Medium mit dem menschlichen Willen gleichsetzen. Sie tun so, als ob die Hardware den Menschen zwingt, dumm zu werden. Aber das Smartphone ist kein autonomes Subjekt. Es ist ein Spiegel unseres tiefsten, evolutionären Verlangens nach Konnektivität. Sie blenden die Antithese völlig aus: die emanzipatorische und demokratisierende Kraft exakt dieses Netzwerks.“
„Sie argumentieren mit Spitzer und der reinen Neurobiologie. Das ist Ihre These. Doch Sie begehen einen klassischen Kategorienfehler, indem Sie das Medium mit dem menschlichen Willen gleichsetzen. Sie tun so, als ob die Hardware den Menschen zwingt, dumm zu werden. Aber das Smartphone ist kein autonomes Subjekt. Es ist ein Spiegel unseres tiefsten, evolutionären Verlangens nach Konnektivität. Sie blenden die Antithese völlig aus: die emanzipatorische und demokratisierende Kraft exakt dieses Netzwerks.“
Peter Siegfried Krug:
„Demokratisierung? Ein Euphemismus für die Gleichschaltung des Konsums!“
„Demokratisierung? Ein Euphemismus für die Gleichschaltung des Konsums!“
Der Philosoph:
„Nein, betrachten wir es rein logisch. Dieses kleine Gerät, das Sie als Zerstörungsapparat verdammen, hat Milliarden von Menschen, die niemals Zugang zu einer Universitätsbibliothek oder einem PC hatten, das gesamte Wissen der Menschheit barrierefrei zugänglich gemacht. Es hat den Bürgerjournalismus ermöglicht. Jedes Individuum ist heute eine wandelnde Sendeanstalt. Missstände, Tyrannei und das Leid Unterdrückter können nicht mehr einfach im Verborgenen stattfinden. Das Smartphone hat Machtstrukturen dezentralisiert. Wenn Sie nur den Synapsenabbau sehen, ignorieren Sie die kollektive Bewusstwerdung ganzer Gesellschaftsschichten, die vorher stimmlos waren.“
„Nein, betrachten wir es rein logisch. Dieses kleine Gerät, das Sie als Zerstörungsapparat verdammen, hat Milliarden von Menschen, die niemals Zugang zu einer Universitätsbibliothek oder einem PC hatten, das gesamte Wissen der Menschheit barrierefrei zugänglich gemacht. Es hat den Bürgerjournalismus ermöglicht. Jedes Individuum ist heute eine wandelnde Sendeanstalt. Missstände, Tyrannei und das Leid Unterdrückter können nicht mehr einfach im Verborgenen stattfinden. Das Smartphone hat Machtstrukturen dezentralisiert. Wenn Sie nur den Synapsenabbau sehen, ignorieren Sie die kollektive Bewusstwerdung ganzer Gesellschaftsschichten, die vorher stimmlos waren.“
Peter Siegfried Krug:
„Sie unterschätzen die psychologische Architektur dieser Systeme. Das Wissen ist zwar da, aber der Algorithmus sorgt dafür, dass es nicht konsumiert wird! Die Walled Gardens sind so gebaut, dass der Nutzer durch Dopamin-Sucht-Schleifen im Zustand der infantilen Regression gehalten wird. Ein dezentralisiertes Netzwerk nützt nichts, wenn die Empfänger systematisch verdummt werden. Spitzer hat recht: Die neuronale Basis für tiefe Erkenntnis wird physisch zerstört. Einem biologisch degenerierten Gehirn nützt die größte digitale Bibliothek der Welt nichts mehr.“
„Sie unterschätzen die psychologische Architektur dieser Systeme. Das Wissen ist zwar da, aber der Algorithmus sorgt dafür, dass es nicht konsumiert wird! Die Walled Gardens sind so gebaut, dass der Nutzer durch Dopamin-Sucht-Schleifen im Zustand der infantilen Regression gehalten wird. Ein dezentralisiertes Netzwerk nützt nichts, wenn die Empfänger systematisch verdummt werden. Spitzer hat recht: Die neuronale Basis für tiefe Erkenntnis wird physisch zerstört. Einem biologisch degenerierten Gehirn nützt die größte digitale Bibliothek der Welt nichts mehr.“
Der Philosoph: (schüttelt den Kopf)
„Und genau da liegt Ihre argumentative Verengung. Sie erheben den Missbrauch zur Allgemeingültigkeit. Wenn ein Mensch unfähig ist, ein Messer zum Schnitzen zu verwenden, und sich stattdessen damit schneidet, verdammen Sie dann das Messer oder die mangelnde Ausbildung des Handwerkers? Die von Ihnen beschriebene Entmündigung ist kein technisches Naturgesetz, sondern ein eklatanter Mangel an individueller und gesellschaftlicher Medienkompetenz. Die Freiheit, sich dem Algorithmus zu entziehen, existiert nach wie vor. Sie selbst nutzen das Internet, um Ihre Arbeiten auf Figshare zu deponieren – Sie nutzen also die Freiheit des Netzes, während Sie behaupten, sie existiere nicht mehr.“
„Und genau da liegt Ihre argumentative Verengung. Sie erheben den Missbrauch zur Allgemeingültigkeit. Wenn ein Mensch unfähig ist, ein Messer zum Schnitzen zu verwenden, und sich stattdessen damit schneidet, verdammen Sie dann das Messer oder die mangelnde Ausbildung des Handwerkers? Die von Ihnen beschriebene Entmündigung ist kein technisches Naturgesetz, sondern ein eklatanter Mangel an individueller und gesellschaftlicher Medienkompetenz. Die Freiheit, sich dem Algorithmus zu entziehen, existiert nach wie vor. Sie selbst nutzen das Internet, um Ihre Arbeiten auf Figshare zu deponieren – Sie nutzen also die Freiheit des Netzes, während Sie behaupten, sie existiere nicht mehr.“
Peter Siegfried Krug:
„Ich nutze offene, wissenschaftliche Repositorien – das freie Web, nicht die Apps! Das ist ein fundamentaler Unterschied. Die Masse nutzt das Smartphone eben nicht als Werkzeug, sondern wird vom Gerät benutzt. Das Smartphone ist strukturell darauf ausgelegt, die Mündigkeit zu brechen, weil die Konzerne mit der gestohlenen Aufmerksamkeit Geld verdienen. Es gibt kein ‚richtiges‘ Leben im falschen App-Store.“
„Ich nutze offene, wissenschaftliche Repositorien – das freie Web, nicht die Apps! Das ist ein fundamentaler Unterschied. Die Masse nutzt das Smartphone eben nicht als Werkzeug, sondern wird vom Gerät benutzt. Das Smartphone ist strukturell darauf ausgelegt, die Mündigkeit zu brechen, weil die Konzerne mit der gestohlenen Aufmerksamkeit Geld verdienen. Es gibt kein ‚richtiges‘ Leben im falschen App-Store.“
Der Philosoph:
„Und doch ist Ihre Sichtweise elitär, Herr Krug. Sie verlangen von der gesamten Menschheit die asketische Disziplin eines Schachmeisters oder eines Höhlenphilosophen. Aber die menschliche Natur ist unvollkommen. Das Smartphone hat uns nicht entmündigt – es hat unsere bereits vorhandenen Schwächen und Sehnsüchte lediglich sichtbar gemacht und beschleunigt. Der Kampf um die Mündigkeit findet nicht im Verbot des Geräts statt, sondern in der bewussten Entscheidung, wie wir es beherrschen, anstatt uns von ihm beherrschen zu lassen. Ihre Synthese fehlt: Die Versöhnung von Technologie und menschlicher Reife. Sie sehen nur den Untergang, wo eigentlich eine gigantische, evolutionäre Lernkurve stattfindet.“
„Und doch ist Ihre Sichtweise elitär, Herr Krug. Sie verlangen von der gesamten Menschheit die asketische Disziplin eines Schachmeisters oder eines Höhlenphilosophen. Aber die menschliche Natur ist unvollkommen. Das Smartphone hat uns nicht entmündigt – es hat unsere bereits vorhandenen Schwächen und Sehnsüchte lediglich sichtbar gemacht und beschleunigt. Der Kampf um die Mündigkeit findet nicht im Verbot des Geräts statt, sondern in der bewussten Entscheidung, wie wir es beherrschen, anstatt uns von ihm beherrschen zu lassen. Ihre Synthese fehlt: Die Versöhnung von Technologie und menschlicher Reife. Sie sehen nur den Untergang, wo eigentlich eine gigantische, evolutionäre Lernkurve stattfindet.“
Peter Siegfried Krug: (schweigt für einige Sekunden, blickt hinauf zur Himmelstreppe, deren Stufen steil im Fels verschwinden)
„Eine Lernkurve, die im Abgrund enden könnte. Die Zeit wird zeigen, ob die menschliche Biologie gegen die algorithmische Präzision der Konzerne bestehen kann.“
„Eine Lernkurve, die im Abgrund enden könnte. Die Zeit wird zeigen, ob die menschliche Biologie gegen die algorithmische Präzision der Konzerne bestehen kann.“
Der Philosoph: (steht auf, klopft sich den Staub von der Kleidung)
„Da stimme ich Ihnen zu. Es ist ein offenes Endspiel. Aber vergessen Sie nicht, Herr Krug: Auch im Schach gewinnt nicht immer der, der die aggressivsten Angriffe startet, sondern der, der die tieferen, verborgenen Optionen des gesamten Bretts sieht. Gehen wir weiter?“
„Da stimme ich Ihnen zu. Es ist ein offenes Endspiel. Aber vergessen Sie nicht, Herr Krug: Auch im Schach gewinnt nicht immer der, der die aggressivsten Angriffe startet, sondern der, der die tieferen, verborgenen Optionen des gesamten Bretts sieht. Gehen wir weiter?“
Krug nickt schwach. Gemeinsam, in exakt demselben, bedächtig langsamen Schritt, setzen die beiden Männer ihren Weg fort und beginnen den Aufstieg über die steinernen Stufen der Himmelstreppe.
Description (English)
Philosophical Context: Dialectics (Thesis and Antithesis) in Narrative Form
This text is structured as a classical philosophical dialogue illustrating the concept of Hegelian and Socratic dialectics. In philosophy, dialectics is a method of argument for resolving disagreement through rational discussion. It operates using a Thesis (a formal proposition or initial status quo) and an Antithesis (a counter-proposition that negates or contradicts the thesis). The physical setting of the story reflects this intellectual duality: the steep alpine ascent of the Himmelstreppe at Mount Untersberg represents the arduous journey of human thought, while the two characters embody the opposing polarities of modern cultural critique.
This text is structured as a classical philosophical dialogue illustrating the concept of Hegelian and Socratic dialectics. In philosophy, dialectics is a method of argument for resolving disagreement through rational discussion. It operates using a Thesis (a formal proposition or initial status quo) and an Antithesis (a counter-proposition that negates or contradicts the thesis). The physical setting of the story reflects this intellectual duality: the steep alpine ascent of the Himmelstreppe at Mount Untersberg represents the arduous journey of human thought, while the two characters embody the opposing polarities of modern cultural critique.
Content Summary
The narrative depicts a fictitious encounter at an altitude of 1,250 meters on the Rosittenfeld (Untersberg, Austria) between the independent researcher and chess master Peter Siegfried Krug and an anonymous hermit-philosopher. Krug, advancing with deliberate, calculated slowness, represents the Thesis: a radical, technophobic critique of the smartphone era. Drawing on neurobiology and psychiatrists like Manfred Spitzer, Krug argues that mobile devices and corporate "Walled Gardens" (like Instagram or TikTok) act as algorithmic destroyers of human culture, context, and cognition.
The narrative depicts a fictitious encounter at an altitude of 1,250 meters on the Rosittenfeld (Untersberg, Austria) between the independent researcher and chess master Peter Siegfried Krug and an anonymous hermit-philosopher. Krug, advancing with deliberate, calculated slowness, represents the Thesis: a radical, technophobic critique of the smartphone era. Drawing on neurobiology and psychiatrists like Manfred Spitzer, Krug argues that mobile devices and corporate "Walled Gardens" (like Instagram or TikTok) act as algorithmic destroyers of human culture, context, and cognition.
The philosopher, emerging from months of isolation in a mountain cave, provides the Antithesis: he challenges Krug's deterministic views by applying strict logic. The philosopher argues that smartphones have democratized global knowledge and gave a voice to the marginalized, shifting the blame from the technological medium itself to a lack of individual media literacy. The dialogue ends in an open deadlock—a classic philosophical Aporia—as both men begin to climb the steep stairs together, leaving the final Synthesis to the reader and to future history.
Beschreibung (Deutsch)
Philosophischer Kontext: Die Dialektik von These und Antithese im erzählerischen Gewand
Dieser Text ist als klassisches philosophisches Streitgespräch konzipiert, das die Funktionsweise der Sokratischen und Hegelschen Dialektik veranschaulicht. Die Dialektik bezeichnet in der Philosophie eine Methode der Wahrheitsfindung, bei der Gegensätze in Rede und Gegenrede methodisch aufeinanderprallen. Sie entfaltet sich über die These (eine Ausgangsbehauptung) und die Antithese (die logische Negation oder das Gegenargument). Die Kulisse der Erzählung spiegelt diese geistige Dynamik wider: Der steile alpine Aufstieg über die Himmelstreppe am Untersberg symbolisiert den mühsamen Weg des menschlichen Erkenntnisgewinns, während die beiden Akteure als lebendige Projektionsflächen gegensätzlicher Kulturtheorien fungieren.
Dieser Text ist als klassisches philosophisches Streitgespräch konzipiert, das die Funktionsweise der Sokratischen und Hegelschen Dialektik veranschaulicht. Die Dialektik bezeichnet in der Philosophie eine Methode der Wahrheitsfindung, bei der Gegensätze in Rede und Gegenrede methodisch aufeinanderprallen. Sie entfaltet sich über die These (eine Ausgangsbehauptung) und die Antithese (die logische Negation oder das Gegenargument). Die Kulisse der Erzählung spiegelt diese geistige Dynamik wider: Der steile alpine Aufstieg über die Himmelstreppe am Untersberg symbolisiert den mühsamen Weg des menschlichen Erkenntnisgewinns, während die beiden Akteure als lebendige Projektionsflächen gegensätzlicher Kulturtheorien fungieren.
Inhaltliche Zusammenfassung
Die Erzählung beschreibt eine fiktive Begegnung auf 850 Metern Höhe auf dem Rosittenfeld am Untersberg (Österreich) zwischen dem unabhängigen Forscher und Schachmeister Peter Siegfried Krug und einem anonymen Höhlenphilosophen.
Die Erzählung beschreibt eine fiktive Begegnung auf 850 Metern Höhe auf dem Rosittenfeld am Untersberg (Österreich) zwischen dem unabhängigen Forscher und Schachmeister Peter Siegfried Krug und einem anonymen Höhlenphilosophen.
Krug, der sich im mathematisch-langsamen Schritt nähert, formuliert die These: eine radikale, kulturpessimistische Kritik der Smartphone-Epidemie. Gestützt auf die Neurobiologie und Thesen von Manfred Spitzer argumentiert Krug, dass mobile Apps und die geschlossenen digitalen Ökosysteme der Großkonzerne (Walled Gardens) den menschlichen Geist degenerieren und Kultur sowie historischen Kontext systematisch vernichten.
Der Philosoph, der seit Monaten isoliert in einer Karsthöhle lebt, bricht sein Schweigen und liefert die Antithese: Mit den Werkzeugen der Logik seziert er Krugs Argumentation und weist dessen technologischen Determinismus zurück. Er betont die emanzipatorische und demokratisierende Kraft des mobilen Internets, das Milliarden Menschen Zugang zu globalem Wissen verschafft hat. Nicht das Gerät entmündige den Menschen, sondern die mangelnde Medienkompetenz. Das Gespräch mündet in eine offene Aporie (Ratlosigkeit) – die endgültige Synthese bleibt aus, während beide Denker gemeinsam die Stufen der Himmelstreppe hinaufsteigen.
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