Der Schlichte

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Der Schlichte

Es lebte einst ein ruhiger Mann, der tat, was er nur tun kann, nicht mehr, nicht minder – schlicht und klar, sein Dasein galt nur einer kleinen Schar.

Er wirkte leise, ohne Ruhm, ein stilles Handwerk war sein Lebensraum, kein Lied, kein Wort, kein eig’ner Klang, nur Pflicht und Ausdauer sein Leben lang.

Vor einer Woche versank sein Herz, und ohne Aufruhr, in stillem Schmerz verhallt nun bald sein letzter Ton, denn seine Werke rinnen still davon.

Dann bleibt kein Bild, kein letzter Gruß, kein Werk, das man bewahren muss. Jahrzehnte lang in unsichtbarem Mut, ein Name, der nun in wandernden Wolken ruht…

Der Suchende

Und fern von ihm zur gleichen Zeit ging einer still den Weg der Geistigkeit, ein Wanderer im Reich der Worte, der suchte Sinn an jedem Orte.

Er trug kein Gold, besaß kein Gut, doch in ihm brannte still die Glut von Kunst, von Denken, tief und rein, hochblickend über seinen Horizont hinein.

Ihn kannten nur Wenige beim Namen, doch trug er in sich all die Ahnen, die Menschen leise und zeitlos bindet, wenn er in tiefer Einsamkeit zu ihnen findet.

Er war der Dichter, der zu den Fernen spricht, der zu allen eine Verbindung sucht, der Form und Klang zusammenbringt, wenn er von Müh und alter Trauer singt.

Zwei Wege

So standen sie, wie Tag und Nacht, unsichtbar verbunden durch höhere Macht, nur zwei Gestalten, nun vom Zeitlichen getrennt, im Abendrot, das still verglüht am End’.

Der eine lebte zweckgeboren, der andre suchte unverloren den Sinn, der über Dinge steigt und in das Herz des Menschen zeigt.

Der eine wird im Wind verwehn, kein Stein wird seinen Namen sehn. Der andre bleibt in seinem Lied, das durch die Zeiten weiterzieht –

Im Gedenken an Hans-Christian König

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