Ballade von der ewigen Wiederkehr

 Ballade von der ewigen Wiederkehr


Am Ennstalweg, zur Nachmittagsstund,
da brach ein Tag in Blut und Grund,
zwei Menschen, warm noch, stark im Sein,
verloschen dort im Juni-Schein.

Thomas, der Wirt vom Bergesrand,
dem Planai-Volk so wohlbekannt,
und Katrin, treu an seiner Seit,
sie fuhren heim – nicht allzu weit.

Ein deutsches Paar, schon grau im Haar,
kam langsam fahrend, unschuldsklar,
doch plötzlich war die Welt verkehrt,
war alle Freud in Schmerz verzehrt.

Die Straße nahm, was Leben war,
zwei Herzen still mit Haut und Haar,
und als das Lebenslicht verglüht,
hat schon die Welt die Blätter bemüht.

Man spricht vom Schock, vom tiefen Leid,
vom „Wie nur konnt’ es kommen heut“,
vom „Solch ein Mann, so voller Kraft“ –
und Stille dann, wenn Alltag schafft.

Denn kaum ist eine Woche um,
verstummt der Ruf, die Klage stumm,
die Tische füllen sich erneut,
der Mensch vergisst, hat Tod verscheucht.

Ich seh es oft, Jahr ein, Jahr aus:
Ein Helm, ein Sturz vor einem Haus,
ein Kranz am grauen Straßenrand,
ein Name, der im Wind verrann.

Empörung flammt – doch kurz darauf
nimmt stumpf das Leben seinen Lauf,
und jeder schwört: „So fahr ich nie“,
bis wieder einer fällt wie sie.

So rollt das Rad, so schlägt die Zeit,
so wächst der Schmerz, so wächst das Leid,
und dennoch bleibt die Straße gleich,
ihr Hunger alt, ihr Mahnen bleich.

Und ich, der dies in Worten fasst,
spür, wie die Welt das Leid verprasst,
wie jedes Herz nur kurz erbebt,
bevor es stumpf dann weiter lebt.

Bis eines Tags – gewiss, gewiss –
der nächste fällt, erneut ein Riss,
und wieder ruft man laut und bang,
und wieder hält es nicht sehr lang.

So bleibt die Straße, wie sie war,
ein steter Zeuge, kalt und klar,
und wir, die Menschen, gehn voran,
als wär der Tod ein anderer Mann.


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