1966
1966
Ich kam im Jahr sechsundsechzig zur Welt, in einer Stadt, die Bernhard zu den Härtesten zählt. Ein Kind, das nicht wusste, was Leben bedeutet, doch schon in den ersten Tagen vom Segen entgleitet.
In jenen Jahren, da ich kaum sprechen konnte, ein Säugling war, der in fremden Orten wohnte, erschuf ein Mann jenseits des Ozeans Lieder, die heute noch klingen, als wären wir Brüder.
Jim Croce sang, während ich kaum verstand, was Kälte bedeutet und rohe Hand. Er schrieb seine Werke in Armut und Mut, ich lernte schon früh, dass ein Leben so weh tut.
Er stand im Studio – und ich lag im Kinderheim, er formte Melodien, ich lernte still zu sein. Er reiste durch Länder, ich durch geschlossene Zimmer, und suchte nach Wärme – doch fand sie nur immer in kurzen Momenten, die rasch wieder gingen, wie Nebel am Barmstein, wenn sie sich in Bergen verfingen.
Croce sang von Fahrern, von harter Arbeit, von Last, ich trug in mir früh schon die ruhelose Rast. Er dichtete Träume, die er im Leben nicht gewann, ich lernte nur früh, dass man von allem verlassen sein kann.
Als er im Jahr dreiundsiebzig in Asche verging, sein Flugzeug zerbrach – doch die Welt nicht verstummte –, war ich erst sechs Jahre und stand am Beginn eines Leidensweges, der mich auf brutale Weise vermummte.
Er starb im Triumph, ich lebte im Daseinskampf, er sang von der Zeit, ich ertrug still meinen Krampf. Er hinterließ Lieder, ich erlitt tiefe Wunden, die erst Jahrzehnte später zu Worten gefunden.
Ich wuchs in den Räumen der Kirchenstraße auf, wo Härte und Enge den täglichen Lauf bestimmten und prägten, was später entstand: ein junger Mensch, der sich selbst ins Schweigen verrannt.
Die Jahre vergingen, und irgendwann begann ich zu schreiben, so gut ich es kann. Nicht Lieder wie Croce, doch Zeilen, die zeigen, wie Seelenschmerz im Inneren verneigen zu Klarheit und Ordnung, wenn draußen nichts hält, wenn innen ein Sturm durch die Seele fällt.
So stehen wir beide – getrennt durch den Ozean, das Leben, verbunden durch Jahre, die uns wurden gegeben. Er starb im Glanz des Schaffens, ich dagegen lebte im Grau, doch eines bleibt gleich: Der Mensch wird genau das, was er schafft aus der verbleibenden Zeit – ob Lied oder Zeile, ob Schmerz oder Leid.
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