Vom Reich der gläsernen Geräte

 

Vom Reich der gläsernen Geräte

Es war in den Tagen der funkelnden Zeit, da trug jedes Herz ein Gerät stets bereit, ein Kästlein so klein wie ein wandernder Stern, und doch hielt es Seelen gefangen von fern.

Man nannte es „Helfer“, man nannte es „Freund“, doch heimlich hat’s König und Knecht sich vereint: Denn während die Menschen im Alltag nur sah’n ein Werkzeug der Bequemlichkeit – war längst ein unsichtbarer Plan getan.

Die Kinder des süßen Schlafs

Die erste der Gruppen, die größte im Land, ging sorglos durchs Leben mit funkelnder Hand. Sie klickten auf Banner wie Blätter im Wind, so leicht wie ein Lächeln, das sorglos verrinnt.

Sie glaubten an „Gratis“, an „Sorglos“ und „Fein“, als wär’s eine Gabe aus goldenem Schrein. Doch während sie träumten von Freiheit und Glück, nahm man ihnen still ihre Daten zurück.

Denn wer keinen Preis sieht, der merkt nicht den Tausch, und gibt seine Freiheit wie Duft einer Lausch.

Die Müden im Räderwerk

Die zweite der Gruppen, fast ebenso groß, spürte das Ziehen im Herzen – nervös. Sie ahnten, dass Kräfte im Hintergrund weben, doch fehlte der Mut, sich dagegen zu heben.

Sie hörten die Werbung nach flüchtigem Wort, sie fragten sich leise: „Wer lauscht mir denn dort?“ Doch sagten dann Sätze, die bitter und schwer, wie alte Gebete der Resignation: „Ich kann ja doch nichts tun mehr.“

Denn tief in den Menüs, in verschlungenen Wegen, versteckt man die Schalter, die Freiheit zu pflegen. So wächst aus dem Zweifel ein müder Verzicht, und langsam verlöscht das innere Licht.

Die Hüter der eigenen Tore

Die dritte der Gruppen, so klein wie ein Kreis von Wanderern, die noch den Kompass verweis’, sie kannten die Pfade, die Fallen, die List, und wussten, wie leicht man die Freiheit vergisst.

Sie schnitten den Apps ihre gierigen Hände, sie setzten dem Datenstrom mutige Wände. Sie wählten den Browser, der Werbung verbannt, und hielten den PC wie ein treues Gewand.

Ein kleinerer Teil – kaum fünf Prozent – ging weiter als jeder gewöhnliche Mensch: Sie bauten sich Systeme, von Ketten befreit, und standen wie Türme in stürmischer Zeit.

- Doch warum, so fragt man, ergibt sich die Welt, warum wird die Freiheit so billig verhökert, so schnell?

Es lockt uns das „Gratis“ wie Honig den Bär, und niemand bedenkt, dass der Preis viel mehr als Gold oder Silber im Beutel besteht – es ist unser Leben, das digital weht.

Die Überwachung tut nicht weh wie ein Dorn, sie flüstert nur leise, doch stetig von vorn. Und weil man zum Reisen, zum Zahlen, zum Sein das Kästlein nun braucht, wird die Wahl zur Gemein’.

So wird aus dem Wollen ein Müssen im Lauf, und niemand merkt, wie die Freiheit hört auf.

Der Ruf zur Mündigkeit

Drum hebt eure Augen vom schimmernden Glas, und fragt euch, wem ihr die Schlüssel überlasst. Denn Bürger ist der, der versteht, was er trägt, und nicht, wer im Nebel der Bequemlichkeit schläft.

Die wahre Unabhängigkeit beginnt, wo man den Vertrag hinter „Gratis“ erkennt. Ein unsichtbar Siegel, ein Tausch ohne Wort – doch wer ihn durchschaut, nimmt die Freiheit sich fort.

So endet die Ballade, doch nicht ihr Gebot: Erkenne dein Gerät – sonst führt es dich leise in digitale Not.

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