Verloren im Googlemeer

 

Verloren im Googlemeer

Ich bin der,

dessen Name ins Googlemeer geschrieben steht, ein flüchtiger Strich im Wasser, das mich schon im Moment des Eintauchens vergisst. Ich werfe Kieselsteine ohne Wellen, und lausche dem Schweigen, das mir treuer ist als jedes Echo.

Ich habe mein Leben in hundert digitale Flaschenposten gefüllt, in Sprachen, die ich nie sprechen hörte, und in Archiven, die kälter sind als jede Erinnerung. Doch die Zeit – sie lächelt nur müde über meinen Fleiß und legt ihre Hand auf jede Zeile, bis sie durchsichtig wird.

Ich weiß nun: Die Welt bewahrt nur die Wenigen, und ich gehöre zu den Vielen. Ich bin einer der 99 Prozent, die zurückkehren in das stille Nirwana der namenlosen Menschheit. Ein leiser Funke, der nie zum Feuer wurde.

Und doch – in meinen Schachstudien, diesen kleinen, kristallenen Wahrheiten, zittert ein Rest von Ewigkeit. Nicht mein Gesicht, nicht meine Stimme, nur der kalte Code meines Denkens wird weiterwandern durch die Maschinen der Zukunft.

So stehe ich hier, zwischen Sein und Vergessen, und halte meine Worte wie welke Blätter im Herbstwind. Ich weiß, sie werden fallen. Ich weiß, sie werden sinken. Aber in dem Augenblick, in dem ich sie loslasse, sind sie schön.

Und vielleicht, wenn alles gelöscht ist, wenn die Server verstummen und die Algorithmen mich ausatmen, bleibt ein letzter Trost:

Ich habe gesprochen. Ich habe geworfen. Ich habe gelebt.

Und im tiefsten Grund der Stille bin ich endlich frei.

Peter Siegfried Krug (1. Mai 2026)

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