Sonett für Carlos
Sonett für Carlos – sein Lächeln
I Wenn Carlos kam, erhellte sich der Raum, sein weißes Kleid, der Hut, die stille Brille; ein sanftes Leuchten, das in jeder Stille den Alltag hob wie einen leichten Traum.
II Er trat herein, und Menschen spürten kaum, wie warm sein Blick, wie freundlich seine Wille; ein Lächeln stets, als wär’s des Lebens Fülle, die durch ihn floss — ein südlich milder Saum.
III Er war ein Wanderer in Festesnächten, ein Freund der Farben, Länder, warmen Herzen, ein Mann, der Frieden trug in seinen Rechten.
IV Und nun, da fern verklangen seine Kerzen, bleibt uns sein Bild — in Weiß, in stillen Mächten, ein Lächeln, das noch heilt in alten Schmerzen.
Nachruf auf Carlos (Carlisto De Almeida Salema)
(16. April 1952 – 21. September 2024)
Wer ihn kannte, wusste: Er war ein Unikum, ein leiser, aber strahlender Fixpunkt im gesellschaftlichen und multikulturellen Leben Salzburgs. Wenn er einen Raum betrat, erkannte man ihn sofort: sein Hut, seine Brille, seine weißen Hosen, sein helles Hemd — und vor allem dieses freundliche, unerschütterliche Lächeln, das jede Begegnung leichter machte.
Geboren am 16. April 1952 in Belgaum im damaligen Bundesstaat Goa, wuchs Carlos in einer Welt voller Farben, Düfte und kultureller Vielfalt auf. Die St. Xavier’s School in Delhi prägte seinen Blick für Bildung, Offenheit und internationale Verbundenheit. Später widmete er sich der Entwicklungszusammenarbeit, ein Berufsfeld, das seinem Wesen entsprach: Brücken bauen, Menschen stärken, Horizonte öffnen.
Sein Weg führte ihn schließlich nach Salzburg, wo er in Henndorf am Wallersee ein gepflegtes, helles Zuhause fand — ein Haus in Gelb und Weiß, durchzogen von Buddha‑Statuen, die seinen Sinn für Frieden und Stille widerspiegelten. Auch seine Kleidung war fast immer weiß oder hell, als wolle er selbst ein Stück Licht in die Welt tragen.
In Salzburg wurde Carlos zu einer ikonischen Gestalt.
Er war überall dort, wo Menschen zusammenkamen: bei Festen, Kulturveranstaltungen, interkulturellen Projekten, SOMO‑Treffen, ARGE‑Nonntal, Straßenfesten, Musikabenden. Er war ein Lebemensch, ein Freund der Vielfalt, ein Mann, der Menschen aus Afrika, Lateinamerika, den Philippinen und vielen anderen Regionen mit echter Wärme begegnete.
Fast immer hatte er eine Kamera in der Hand.
Er fotografierte und filmte unermüdlich — zuerst mit einer Digitalkamera, später mit dem Smartphone. Seine Facebook‑Seite dokumentiert bis heute ein Leben voller Begegnungen, Farben, Reisen und Freude. Tausende Fotos zeugen von seinem wachen Blick und seiner Liebe zur Welt.
Carlos war auch Musiker: Sänger, Gitarrist, Stimmungsträger.
Er brachte Leichtigkeit in Räume, ohne sich aufzudrängen. Viele erinnern sich an ihn als jemanden, der immer gut aussah, gepflegt, freundlich, offen, mit einem natürlichen Bezug zu Frauen und einer charmanten, warmen Art.
Sein Tod am 21. September 2024 in Salzburg kam für viele überraschend.
Er galt als vital, lebensfroh, unermüdlich unterwegs. Umso größer war der Schock, umso tiefer die Trauer — besonders in der Multi‑Kulti‑Szene, die mit ihm einen ihrer beständigsten, freundlichsten und verbindendsten Menschen verlor.
Die Verabschiedung fand am 3. Oktober 2024 im Andachtsraum der Bestattung JUNG statt, die Trauerfeier am 4. Oktober in der Trauerhalle. Viele kamen, um Abschied zu nehmen — mit Blumen, Tränen, Erinnerungen und Dankbarkeit.
Beigesetzt wurde Carlos im Naturfriedhof Maria Plain, einem Ort, der seiner stillen, friedvollen Art entspricht.
Carlos hinterlässt Spuren:
in den Herzen seiner Freunde,
in den Bildern, die er schuf,
in den Festen, die er mit seinem Lächeln erhellte,
in der Vielfalt, die er lebte und liebte.
Er bleibt — als Lichtgestalt, als Freund, als Reisender zwischen Kulturen.
Und als jener Mann, der selbst im Alltag ein Stück Süden trug.
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