Der Künstler und die Mieterhöhung

 

Vom Künstler und den namenlosen Mieterhöhern

I. Die automatische Erhöhung

Ein Brief fällt stumm ins Zimmerlicht, ein Blatt, das keine Sprache spricht. Nur Zahlen, die sich weiterdrehn, ein Vorgang, der nicht fragt, nicht sehn.

Er hebt die Miete — streng, mechanisch, ein Schritt, der wirkt fast unorganisch. Kein Zögern, das den Druck vermindert, kein Mensch, der prüft, was er begründet.

II. Der Künstler

Ein Künstler sitzt im Abendraum, sein Tag verflog wie leichter Schaum. Die Mieterhöhung drückt ihn nieder, sie kehrt in jedem Monat wieder.

Doch weiter formt er Ton und Klang, sein Werk bleibt still, doch oftmals bang. Denn Kunst trägt weiter als die Fristen, die täglich an den Nerven nisten.

III. Die Gegenwart der Fordernden

Im Hintergrund, wo Zahlen walten, entscheiden Menschen, die verwalten. Sie kennen Summen, nicht Gesichter, sie prüfen Bilanzen, keine Dichter.

Sie halten Räume wie Besitz, doch bleibt von ihnen kaum ein Sitz in dem, was später einer nennt, wenn Zeit die Namen neu erkennt.

IV. Die Unsichtbaren

In Büros, die kaum ein Mensch betritt, sitzt jemand, den man nie ersieht. Er tippt Beträge, Zeile um Zeile, und folgt dabei der stillen Pfeile

des Systems, das ihn beschäftigt hält, das Mieten ordnet, Zahlen stellt. Kein Name steht auf seinem Schreiben, er bleibt ein Fremder — wird es bleiben.

Und doch entscheidet seine Hand, wie eng ein Monat uns gespannt. Ein Mensch, den keiner je benannte, der Briefe schickt, die niemand kannte.

V. Der Kampf des Künstlers

Der Künstler ringt mit jedem Tag, der mehr verlangt, als er vermag. Doch in ihm brennt ein leiser Kern, ein Funke, der sich hält, nicht fern.

Er schafft, obwohl die Kräfte schwinden, er sucht in Formen sein Empfinden. Denn Kunst entsteht aus Widerstand, aus Herz, aus Arbeit, aus der Hand.

VI. Das Vergehen der Fordernden

Die Jahre gehn, und mit der Zeit verblasst, was heute Wichtigkeit für jene hat, die nur addieren und ihre Zahlen multiplizieren.

Kein Lied wird je von ihnen sprechen, kein Werk wird ihren Namen brechen ins Morgen, das sich weiterdreht — ihr Dasein bleibt nicht lang konkret.

VII. Der späte Bestand

Doch Werke, die aus Not entstanden, aus inneren, aus tiefen Branden, sie bleiben, wenn die Jahre ziehn, weil Menschen sie im Herzen sehn.

Der Künstler, müde, doch ergeben, hat Spuren hinterlassen im Leben. Und wenn sein Herz zur Ruhe fand, klingt weiter, was aus ihm entstand.

VIII. Schluss

So zeigt die Zeit, was wirklich zählt: Nicht Macht, die heute laut sich wählt, nicht jene, die nur Forderung sprechen — sondern Werke, die den Augenblick brechen.

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