Als Worte noch wanderten

 

Als Worte noch wanderten

Als Worte noch wanderten, frei durch die Luft, und Wissen im Feuerrauch schwebte wie Duft, da lernten die Menschen durch Tun und durch Sein – nicht aus Büchern, aus Leben, aus Erde und Stein. „Wissen wurde durch mündliche Überlieferung vermittelt“, so klang es im Kreis, wenn der Abend sich lichtet.

Die Alten erzählten mit Stimme und Hand, sie malten die Welt an die Höhlenwand. Ein Kind sah nur zu – und verstand schon so viel, denn Lernen geschah wie ein leiser April. „Bildung war gleichbedeutend mit einer frühen Form der Lehre“, so wuchs jede Fähigkeit, still und doch schwere.

Doch heute, da sitzen wir brav auf den Stühlen, und lassen uns Wissen in Köpfe einspülen. Wir pauken und prüfen, wir testen und zählen – doch selten darf Wissen im Alltag sich wählen.

Die Schule macht klüger – gewiss, keine Frage –, doch manchmal auch müder an manchem Schultage. Sie lehrt uns zu denken, zu ordnen, zu fragen, doch weniger merken, mehr Apps zu befragen.

So wurden wir Meister im Finden von Dingen, statt Lieder des Wissens im Herzen zu singen. Wir speichern nicht Inhalte – nur noch den Pfad, der uns zu den Inhalten führt, wenn wir’s lad’.

Drum lächle ich milde und sage ganz sacht: Die Alten, sie hatten ein anderes Fach. Sie trugen die Welt in den Köpfen herum – wir tragen ein Smartphone, das summt und macht „bumm“.

Doch weise ist beides – das Früher, das Jetzt. Der Mensch bleibt ein Lerner, nur anders vernetzt. Und manchmal, da spür ich: Ein Funke von einst lebt weiter in dir, wenn du staunst oder meinst,

dass Lernen ein Tanz ist, ein Spiel, ein Gedicht – und Wissen ein Feuer, das niemals erlischt.


Peter Siegfried Krug, Hallein 2. Mai 2026

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