Häufige Berufsfelder: Wo Care Leaver oft arbeiten
Der Vergleich zwischen Care Leavern und „Normalis“ zeigt, dass die berufliche Laufbahn oft stark von den Startbedingungen und der Notwendigkeit einer schnellen finanziellen Unabhängigkeit geprägt ist.
Häufige Berufsfelder: Wo Care Leaver oft arbeiten
Ehemalige Heimkinder sind überproportional oft in Branchen zu finden, die einen schnellen Einstieg ermöglichen oder bei denen die Ausbildung direkt am Arbeitsplatz stattfindet.
Gastgewerbe und Hotellerie: Dies ist eine der häufigsten Branchen. Jobs als Küchenhilfen, im Service oder in der Reinigung bieten oft die benötigte sofortige Anstellung, sind aber häufig durch unregelmäßige Arbeitszeiten und geringe Entlohnung geprägt.
Handel und Verkauf: Viele Care Leaver finden Arbeit als Regalbetreuer, Kassierer oder im Lagerwesen. Diese Stellen sind oft als Aushilfs- oder Teilzeitjobs verfügbar.
Handwerkliche Berufe: In Österreich absolvieren viele Care Leaver eine Lehre in klassischen Bereichen wie Bau, Installation oder Kfz-Technik. Das bietet eine solide Basis, führt aber oft in körperlich anstrengende Berufe.
Sozial- und Pflegebereich: Interessanterweise entscheiden sich viele ehemalige Heimkinder ganz bewusst für soziale Berufe (Pflegeassistenz, Sozialbegleitung). Sie nutzen ihre eigene Biografie als Experten aus Erfahrung, was eine enorme Stärke sein kann.
Seltene Berufe: Wo die Hürden höher liegen
Berufe, die eine lange Ausbildungszeit ohne nennenswertes Einkommen erfordern, sind für Care Leaver statistisch selten.
Akademische Berufe (Medizin, Jura, Architektur): Da Care Leaver meist mit 18 Jahren finanziell auf eigenen Beinen stehen müssen, ist ein langjähriges Studium ohne elterliche Unterstützung (das „Sicherheitsnetz“) oft nicht finanzierbar. Stipendien decken oft nur das Minimum.
Spezialisierte Kunst- und Kulturberufe: Berufe, die oft über unbezahlte Praktika oder familiäre Netzwerke (Vitamin B) zugänglich sind, bleiben dieser Gruppe meist verschlossen.
Management-Positionen: Der Aufstieg in Führungsetagen erfordert oft nicht nur Qualifikation, sondern auch das sogenannte „soziale Kapital“ (Beziehungen), das im Heim selten aufgebaut wird.
Was sie fast „nie“ erreichen (im Vergleich zu „Normalis“)
Es gibt Bereiche, in denen die statistische Wahrscheinlichkeit gegen Null geht, solange das System sich nicht ändert.
Unternehmensnachfolge: „Normalis“ übernehmen oft Familienbetriebe. Für Care Leaver existiert dieser Pfad nicht; sie müssen jedes Kapital und jede Struktur selbst von Grund auf erschaffen.
Berufe mit hohen Investitionskosten (z.B. Pilot, Privatärztliche Praxis): Ohne Erbe oder massives Startkapital sind Berufe, die sechsstellige Ausbildungskosten oder teure Praxisübernahmen erfordern, faktisch unerreichbar.
Begriffserklärungen und Quellen
Accelerated Transition: Der Fachbegriff für den „beschleunigten Übergang“ ins Erwachsenenleben, den Care Leaver leisten müssen, während „Normalis“ Zeit zum Ausprobieren haben.
Soziales Kapital: Die Gesamtheit der sozialen Beziehungen (Netzwerke), die einem Individuum Vorteile im Berufsleben verschaffen.
Source Triad (Quellen-Trias): Diese Daten basieren auf der Studie „Socio-economic Status and Living Situation of Care Leavers in Austria“ (ResearchGate, 2022/2025), Berichten der Statistik Austria zur Erwerbstätigkeit und internationalen Vergleichen von Eurocarers.
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