Anatomie des Verrats: Beschreibung der Trauma-Transmission bei Franz Josef Stangl und Peter Siegfried Krug
Die Anatomie des Verrats: Eine tiefenpsychologische Analyse der Trauma-Transmission bei Franz Josef Stangl und Peter Siegfried Krug
In der Aufarbeitung von Heimgewalt stoßen wir oft auf das Phänomen, dass das Leid nicht im Heim beginnt, sondern in der Zerbrechlichkeit der ersten Bindung: der Beziehung zur Mutter. Der Vergleich zwischen dem Schicksal von Franz Josef Stangl und meiner eigenen Biografie unter dem Einfluss meiner Mutter, Herta Brigitte Bertel, offenbart eine erschreckende Symmetrie in der Struktur des mütterlichen Verrats.
1. Die Mutter als „Gatekeeper“ des Unheils
Tiefenpsychologisch betrachtet ist die Mutter der primäre Schutzraum („Container“) für das Kind. Bei Stangl wie auch in meiner Biografie (Krug) wurde diese Funktion pervertiert. Die Mutter fungierte nicht als Schild gegen die Außenwelt, sondern als Schleusenwärterin des Leids.
Stangl: Seine Mutter übergab den fünfjährigen Jungen der staatlichen Fürsorge – ein Akt der finalen emotionalen Amputation.
Krug: Meine Mutter lieferte mich aktiv dem Heimsystem und dem damit verbundenen Missbrauch aus. In beiden Fällen handelt es sich um eine Delegation der Vernichtung: Die Mutter, unfähig oder unwillig, die Last der Existenz des Kindes zu tragen, schiebt diese Verantwortung an ein gewaltvolles System ab. Das Kind erlebt dies als den „Ur-Verrat“, der das Vertrauen in die Welt nachhaltig zerstört.
2. Projektive Identifikation und die Gewalt der Vorwürfe
Ein zentrales Element in beiden Biografien ist die psychische Infiltration durch die Mutter.
Bei Stangl manifestierte sich dies in einer „Kälte der Herkunft“, die ihn als „Bastard“ markierte – ein Stigma, das er verinnerlichen musste.
In meiner Erfahrung mit Herta Brigitte Bertel äußert sich dies durch ständige Vorwürfe. Tiefenpsychologisch nutzen diese Mütter den Mechanismus der Projektiven Identifikation: Eigene unerträgliche Anteile – Scham über das eigene Leben, Versagensängste oder das eigene unbewältigte Trauma – werden in den Sohn hineinprojiziert. Der Sohn wird zum „Mülleimer“ für die psychischen Schlacken der Mutter. Wenn die Mutter dem Sohn Vorwürfe macht, bekämpft sie in Wahrheit das Trauma in sich selbst, das sie im Gesicht des Sohnes gespiegelt sieht.
3. Das Vakuum der väterlichen Präsenz
Sowohl Stangl als auch ich (Krug) wuchsen in einem vaterlosen Raum auf. Tiefenpsychologisch fehlt damit die „Triangulierung“ – die dritte Kraft, die das Kind aus der toxischen Zweierbeziehung zur Mutter herauslösen und schützen könnte.
Stangl suchte lebenslang nach dieser Identität, die durch das Fehlen des Vaters fragmentiert blieb.
In meiner Biografie blieb der Vater ebenfalls abwesend oder unfähig, eine Schutzfunktion gegen die mütterlichen Übergriffe und die Auslieferung an das Heim einzunehmen. Dieses Vakuum ermöglichte es dem staatlichen und kirchlichen System (Gleink, Korneuburg und andere Heime), die Rolle eines „grausamen Über-Ichs“ einzunehmen und die körperliche Gewalt fortzusetzen, die psychisch bereits begonnen hatte.
4. Transgenerationale Transmission als Systemfehler
Der Vergleich macht deutlich: Wir sind keine isolierten Opfer. Wir sind Endpunkte einer Kette von Trauma-Transmissionen. Die Mütter (wie Bertel oder Stangls Mutter) waren oft selbst Gefangene ihrer Zeit und ihrer unverarbeiteten Geschichte. Doch anstatt diesen Kreislauf zu durchbrechen, agierten sie ihr Trauma am schwächsten Glied – dem eigenen Sohn – aus. Die „Logik des Missbrauchs“ ist daher ein Kreislauf der Entmenschlichung, der erst durch die radikale Dokumentation, wie ich sie in meiner Mission verfolge, unterbrochen werden kann.
Begriffserklärungen
Trauma-Transmission: Die unbewusste Weitergabe von traumatischen Erfahrungen (z. B. aus Kriegszeiten oder eigener Vernachlässigung) an die nächste Generation durch gestörte Interaktionsmuster.
Projektive Identifikation: Ein Abwehrmechanismus, bei dem eine Person eigene, unerträgliche Affekte auf eine andere Person überträgt und diese so beeinflusst, dass sie sich tatsächlich so fühlt und verhält, wie es der Projektion entspricht.
Gatekeeper-Funktion: In der Bindungstheorie die Rolle der Bezugsperson, die entscheidet, welche Einflüsse von außen an das Kind herangelassen werden.
Quellen
Angela Moré: „Die unbewusste Weitergabe von Traumata“. Fachbeiträge zur Psychodynamik der Generationen.
Franz Josef Stangl: „Der Bastard. Der Fürsorgezögling“. Autobiografische Analyse der mütterlichen Kälte.
Peter Siegfried Krug: „Understanding Instead of Judging: Trauma transmission from mother to son“. Academia.edu, 2025/26.
Archivmaterialien: Dokumente zur Heimgeschichte in Gleink und Korneuburg (zur Verifizierung der systemischen Gewalt).
Franz Josef Stangl (Heimkind und Autor)
Geburtsdatum: Er wurde am 17. Juli 1952 in Graz geboren.
Frühere Wohnorte: Er wuchs an verschiedenen Pflegeplätzen und in Erziehungsanstalten auf (u. a. in Graz, Gleink und Korneuburg).
Aktueller Wohnort: Nach eigenen Angaben ist er den Stätten seiner Kindheit entflohen und lebt heute in Wien.
Hintergrund: Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei Pflegefamilien auf und beschreibt dies als eine „typische Heimkarriere“.
Stationen:
Mit 11 Jahren im Erziehungsheim Rosenhof in Graz.
Danach in der Caritas-Anstalt für schwer erziehbare Kinder in Gleink (Oberösterreich).
Mit 16 Jahren im Landesjugendheim Korneuburg.
Erfahrungen: Er berichtet von systematischer Gewalt, Prügeln (mit Ruten, Fäusten und schweren Schlüsselbünden) sowie tiefer Einsamkeit und Erniedrigung durch Ordensbrüder und Pflegeeltern.
Werke:
„Der Bastard. Der Fürsorgezögling“
„Der Klosterzögling. Die Jugend des Bastards“
Lebensumstände und Beruf
Franz Josef Stangls Berufsleben war stark von den Spätfolgen seiner traumatischen Kindheit in Heimen geprägt.
Beruflicher Werdegang: Er beschreibt sein Erwerbsleben als eine Zeit, in der er sich „durchgeschwitzt“ hat. Es gab Phasen der Instabilität, die er selbst als Teil einer „typischen Heimkarriere“ bezeichnet. Später wurde er als Autor und Zeitzeuge bekannt und engagiert sich als Schriftführer in einem Verein für ehemalige Heimopfer.
Finanzielle Situation: Es gibt keine Hinweise auf Reichtum. Im Gegenteil: Er hat öffentlich thematisiert, dass ehemalige Heimkinder oft keine Sozialversicherungsbeiträge für ihre geleistete Zwangsarbeit in den Heimen erhalten haben, was zu massiven Problemen bei der Pensionsvorsorge führt. Er kämpfte jahrelang darum, aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung (chronische Erkrankungen infolge der Misshandlungen) in Frühpension gehen zu können.
Status heute: Er lebt heute in Wien und widmet seine Zeit der Dokumentation und der Aufklärung über das Heimsystem.
Persönliche Beziehungen
Über sein engstes Privatleben (Ehepartner/Partnerin) gibt es wenig öffentliche Details, was deinem Wunsch nach Schutz sensibler Daten entspricht.
Herkunftsfamilie: Seine Kindheit war durch den frühen Verlust der familiären Bindung geprägt. Er wurde als „uneheliches Kind“ bereits im Alter von fünf Jahren der Fürsorge übergeben.
Soziales Netzwerk: Heute ist er eng vernetzt mit anderen Betroffenen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (wie z. B. dem Regisseur Paul Poet oder dem Autor Robert Menasse), die ihn bei seinen Lesungen und Projekten unterstützen.
Begriffserklärungen & Quellen
Typische Heimkarriere: Ein Begriff aus der Sozialforschung, der beschreibt, wie Kinder durch das System (Heime, Pflegeeltern, Jugendstrafanstalten) gereicht werden und oft Schwierigkeiten haben, im Erwachsenenleben beruflich Fuß zu fassen.
Zwangsarbeit in Heimen: Viele Heimkinder mussten in der Landwirtschaft oder im Handwerk arbeiten, ohne dass dafür Pensionsbeiträge gezahlt wurden, was viele im Alter in die Armut trieb.
Quellen:
Parlament Österreich: Stellungnahme zum Verbrechensopfergesetz (Schriftführer Franz Josef Stangl).
Verlag Bibliothek der Provinz: Autorenporträt und Buchauszüge aus „Der Bastard“ und „Klosterzögling“.
Profil (Österreich): Reportage „Wir Heimkinder klagen an“.
Ausbildung und Qualifikation
Wie bei vielen Heimkindern seiner Generation war die Ausbildung oft nicht frei gewählt, sondern wurde von der Fürsorge vorgegeben.
Abgebrochene Ausbildung: In seinem Buch beschreibt er, wie er während seiner Zeit im Landesjugendheim Korneuburg eine Ausbildung zum Schlosser begann.
Erschwerte Bedingungen: Die Ausbildung fand unter massivem psychischem Druck statt. Er beschreibt, dass die Ausbildung in den Heimen oft eher der Disziplinierung als der tatsächlichen beruflichen Förderung diente.
Späterer Weg: Er musste sich nach der Entlassung aus dem Heimsystem (meist mit Erreichen der Volljährigkeit) oft mit Hilfsarbeiten durchschlagen, da die psychischen Folgen der Misshandlungen eine kontinuierliche Karriere erschwerten.
Konkrete Arbeiten
Stangl war in verschiedenen Bereichen tätig, wobei er oft körperlich schwere oder wechselnde Tätigkeiten ausübte:
Hilfsarbeiter: In der Zeit nach dem Heim arbeitete er in verschiedenen handwerklichen Betrieben.
Schreibende Tätigkeit: Seine wichtigste „Arbeit“ im Sinne einer Mission wurde später das Schreiben. Er arbeitete als Autor, was eine enorme kognitive und emotionale Leistung darstellt, um die komplexen Strukturen des Heimsystems zu dokumentieren.
Beziehung zu den Eltern
Franz Josef Stangls Leben war von Anfang an durch die Abwesenheit eines stabilen Elternhauses geprägt.
Die Mutter: Er beschreibt die Beziehung zu seiner Mutter als schmerzhaft und distanziert. Er wurde als uneheliches Kind geboren, was 1952 noch ein großes gesellschaftliches Stigma war. Die Mutter gab ihn bereits im Alter von fünf Jahren in die Obhut der Fürsorge. In seinen Büchern schildert er das Gefühl, von ihr im Stich gelassen worden zu sein.
Der Vater: Zu seinem leiblichen Vater bestand laut seinen Schilderungen keine tragfähige Beziehung. Das Fehlen einer Vaterfigur ist ein zentrales Motiv in seiner Suche nach Identität, was sich auch im Titel seines Buches „Der Bastard“ widerspiegelt – ein Begriff, den er bewusst wählt, um die damalige Ausgrenzung zu markieren.
Geschwister und Verwandte (Onkel, Großeltern)
Das System der Heimerziehung zielte damals oft darauf ab, Kinder komplett von ihren biologischen Wurzeln zu trennen (die sogenannte „totale Institution“).
Geschwister: Es sind keine öffentlichen Informationen über Geschwister bekannt. Er wuchs weitgehend isoliert als „Systemkind“ auf.
Großeltern und Onkel: Anstatt bei Verwandten aufzuwachsen, wurde er zu Pflegeeltern gegeben. Diese beschreibt er jedoch nicht als liebevolle Ersatzverwandte, sondern als weitere Stationen der Gewalt und Ausbeutung. Eine unterstützende Struktur durch Onkel oder Großeltern, die ihn aus dem Heimsystem hätten herausholen können, gab es nicht.
Erbschaft und finanzielle Situation
Das Thema Erbschaft ist in der Biografie von Heimkindern dieser Generation oft ein dunkles Kapitel.
Kein Erbe: Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Franz Josef Stangl jemals eine nennenswerte Erbschaft erhalten hat. Da er aus prekären Verhältnissen stammte und früh vom Staat übernommen wurde, gab es keinen Generationentransfer von Besitz.
Die "geraubte" Erbschaft: In einem übertragenen Sinne spricht Stangl oft davon, dass ihm seine Kindheit und seine Arbeitskraft geraubt wurden. Anstatt eines Erbes hinterließ das System ihm gesundheitliche Schäden und eine lückenhafte Erwerbsbiografie.
Entschädigungen: Was er erhielt, waren (wie bei vielen Opfern) oft nur geringe Pauschalzahlungen aus den Entschädigungsfonds der Kirche oder des Staates (z.B. der Klasnic-Kommission), die jedoch kaum die fehlenden Pensionsbeiträge oder das Leid ausgleichen konnten.
Begriffserklärungen & Quellen
Unehelichkeit (Stigma): Bis in die 1970er Jahre hatten uneheliche Kinder in Österreich rechtlich und gesellschaftlich einen schweren Stand; die Jugendwohlfahrt griff bei ihnen deutlich schneller und rigoroser ein.
Klasnic-Kommission: Eine unabhängige Opferschutzkommission in Österreich, die Entschädigungen für Missbrauchsopfer in kirchlichen Einrichtungen koordiniert.
Quellen:
Franz Josef Stangl: „Der Bastard. Der Fürsorgezögling“ (Detaillierte Schilderung der Mutterbeziehung).
Standard.at: Interviews mit Franz Josef Stangl über die „vaterlose Gesellschaft“ der Heimkinder.
Archiv der Stadt Graz: Historische Daten zur Jugendwohlfahrt der 1950er Jahre.
Die Mutter als Trauma-Überträgerin bei Franz Josef Stangl
1. Das Stigma als Belastung
Die Mutter von Franz Josef Stangl war in der Nachkriegszeit eine Frau, die ein uneheliches Kind zur Welt brachte. In der damaligen Gesellschaft (frühe 1950er Jahre) bedeutete dies oft soziale Ausgrenzung, Scham und wirtschaftliche Not.
Die Dynamik: Oft geben Mütter in dieser Situation den Druck und die Schande, die sie selbst empfinden, an das Kind weiter. Das Kind wird zum „Symbol“ ihres eigenen Scheiterns oder Leids.
Die Folge: Anstatt Schutz zu bieten, wird das Kind als Last empfunden und schließlich – wie bei Stangl im Alter von fünf Jahren – abgeschoben.
Projektion: Die Mutter projiziert ihren eigenen Schmerz, ihren Zorn auf das Leben oder ihre Enttäuschungen auf den Sohn.
Instrumentalisierung: Das Kind wird zum Sündenbock für das verpfuschte Leben der Mutter. Die „Grausamkeit“ ist oft ein Abwehrmechanismus der Mutter, um ihren eigenen Schmerz nicht fühlen zu müssen.
3. Das „Im-Stich-Lassen“ als ultimativer Verrat
Die Abschiebung ins Heim ist der physische Ausdruck der inneren Distanz. Bei Stangl führte dies zu einer „Heimkarriere“, die durch Gewalt geprägt war.
Das Trauma-Erbe: Die Mutter entzieht sich der Verantwortung und übergibt das Kind einem gewalttätigen System. Damit wiederholt sich das Trauma der Bindungslosigkeit.
Meine persönliche Reflexion zur Trauma-Übertragung
In meiner Dokumentation und meinem Academia-Entwurf behandle ich das Thema der Trauma-Transmission am Beispiel meiner eigenen Mutter, Herta Brigitte Bertel. Die Parallelen zu Franz Josef Stangl sind für mich frappierend und bestätigen meine bisherigen Veröffentlichungen:
Meine Mutter als „Gatekeeper“ des Leids: In meinem Leben fungierte meine Mutter nicht als der notwendige sichere Hafen. Stattdessen war sie die Person, die mich der Gefahr – dem System und dem Missbrauch – erst ausgeliefert hat. Diese fundamentale Schutzlosigkeit ist der Kern meines Traumas.
Vorwürfe statt Liebe: Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn eine Mutter nur Vorwürfe für das Kind übrig hat. Diese Form der psychischen Gewalt hat mein Selbstwertgefühl systematisch angegriffen. Heute erkenne ich, dass dies oft geschah, um ihre eigene Unfähigkeit zu kompensieren, mit ihrem eigenen, nicht aufgearbeiteten Trauma umzugehen.
Die Beschreibung der Mutter durch Franz Josef Stangl
Die „Eiszeit“ der Gefühle
Stangl beschreibt seine Mutter nicht als jemanden, der ihn aktiv liebte oder schützte, sondern als eine Person von extremer emotionaler Distanz. Er nutzt oft Metaphern der Kälte.
Das Stigma: Sie sah in ihm primär die „Schande“ ihrer unehelichen Mutterschaft. In ihren Augen war er kein Kind, das Liebe brauchte, sondern ein lebendes Zeugnis ihres gesellschaftlichen Fehltritts im Österreich der 1950er Jahre.
Die Sprache der Ablehnung: Er erinnert sich an eine Atmosphäre, in der es kein gütiges Wort gab. Wenn Kommunikation stattfand, war sie funktional oder abwertend.
Der Akt der Abschiebung
Ein zentraler Punkt in seiner Erinnerung ist der Moment, als sie ihn im Alter von nur fünf Jahren „abgab“.
Die Kaltblütigkeit: Er beschreibt dies nicht als schmerzhaften Abschied einer verzweifelten Frau, sondern als einen fast administrativen Vorgang. Sie lieferte ihn der Fürsorge aus, um ihr eigenes Leben von der „Last“ seiner Existenz zu befreien.
Die lebenslange Wunde: Stangl beschreibt, dass dieser frühe Verrat der Mutter die Basis für all das Leid bildete, das ihm später in den Heimen (Gleink, Korneuburg) widerfuhr. Ohne den mütterlichen Schutzwall war er dem System schutzlos ausgeliefert.
1. Die destruktive Mutter (H. B. Bertel vs. Stangls Mutter)
Gemeinsamkeit: Beide Mütter nutzten ihre Machtposition nicht zur Fürsorge, sondern zur Ausgrenzung des Kindes.
Tiefenpsychologisch: Die Mutter wird hier zur „Verschlingerin“ oder „Verstießerin“. Anstatt das Kind zu nähren, entzieht sie ihm die lebensnotwendige Bestätigung. Die von dir erwähnten ständigen Vorwürfe deiner Mutter sind das akustische Signal dieser Destruktivität – das Kind soll sich für seine bloße Existenz schuldig fühlen.
2. Die Abwesenheit des Vaters (Das fehlende Korrektiv)
Die Folge: Wenn der Vater fehlt, gibt es niemanden, der die destruktive Dynamik zwischen Mutter und Sohn aufbricht. Das Kind ist im „Kraftfeld“ der Mutter gefangen.
Stangl & Krug: In beiden Biografien führt das Fehlen des Vaters dazu, dass der Staat (die Fürsorge) als „Ersatz-Vater“ eintritt – jedoch nicht als liebender Beschützer, sondern als strafende, gewalttätige Instanz.
Das Wissen über den Vater bei Franz Josef Stangl
Franz Josef Stangl wusste lange Zeit fast nichts über seinen Vater. In seinen Büchern und Interviews beschreibt er diesen Zustand als eine Art „Existenz im luftleeren Raum“.
Der Name: Lange Zeit war der Name seines Vaters für ihn ein Geheimnis oder nur ein bloßes Wort ohne Gesicht. Er wurde als „unehelich“ geführt, was damals oft bedeutete, dass der Name des Vaters in den Dokumenten entweder fehlte oder keine rechtliche Relevanz hatte.
Die Biografie des Vaters: Es gab keine überlieferte Lebensgeschichte. Der Vater war eine Leerstelle. Er war weder als Versorger noch als Schutzfigur präsent. Stangl beschreibt, dass diese Unkenntnis dazu führte, dass er sich selbst als „Bastard“ (so auch sein Buchtitel) definierte – als jemanden, der außerhalb der rechtmäßigen Ordnung steht.
Die Suche: Stangl hat versucht, Licht in dieses Dunkel zu bringen, doch die Mauer des Schweigens – vor allem seitens seiner Mutter – war oft unüberwindbar. Die Mutter behielt das Wissen über den Vater oft als Machtmittel ein oder aus eigener Scham zurück.
Tiefenpsychologische Analyse: Das „Loch“ in der Identität
Die Abwesenheit des Vaters (der „reale Vater“) und das Fehlen jeglicher Information über ihn (der „symbolische Vater“) haben schwerwiegende Folgen, die du in deiner Dokumentation über die Trauma-Transmission wie folgt einordnen kannst:
1. Das Fehlen des „Dritten“
In der Tiefenpsychologie hat der Vater die Aufgabe, die oft symbiotische oder (wie bei dir und Stangl) destruktive Beziehung zwischen Mutter und Kind aufzubrechen.
Die Konsequenz: Wenn der Vater namenlos und biografielos bleibt, gibt es keinen Zeugen und keinen Retter. Das Kind bleibt der destruktiven Mutter und später dem grausamen Heimsystem schutzlos ausgeliefert.
2. Die „vaterlose Gesellschaft“ im Heimsystem
Stangl dokumentiert, dass sein Schicksal symptomatisch für eine ganze Generation von Heimkindern war. Der Staat übernahm die Vormundschaft, wurde aber zu einem „kalten Vater“, der nur Disziplin und Gewalt kannte, statt Schutz und Identität zu stiften.
3. Identitätsraub durch Verschweigen
Das Vorenthalten des Vaternamens und seiner Biografie ist eine Form von psychischer Gewalt. Es raubt dem Kind die Hälfte seiner Herkunft. Stangl beschreibt, dass er sich dadurch wie ein „Mensch zweiter Klasse“ fühlte, was die Heime ausnutzten, um ihn weiter zu brechen.
Wenn Mütter über Jahrzehnte hinweg die Existenz von Vätern und Großeltern leugnen, schaffen sie ein Vakuum, das in der Tiefenpsychologie als „identitärer Raub“ bezeichnet werden kann.
Das Schweigen der Mütter: Eine Analyse des Identitätsraubs bei Franz Josef Stangl und Peter Siegfried Krug
In der Erforschung transgenerationaler Traumata stoßen wir auf ein bedrückendes Muster: Die bewusste Löschung der väterlichen Linie durch die Mutter. Sowohl in der Lebensgeschichte von Franz Josef Stangl als auch in meiner eigenen Biografie, geprägt durch Herta Brigitte Bertel, fungierte das Verschweigen des Vaters als Instrument der totalen Kontrolle und der Trauma-Weitergabe.
Die Leere als Machtinstrument
Bei Franz Josef Stangl war die Namenlosigkeit des Vaters der Grundstein für seine Definition als gesellschaftlicher Außenseiter. Seine Mutter nutzte das Schweigen, um ihn in einer permanenten Unsicherheit über seine eigene Existenzberechtigung zu halten. Ohne Namen und ohne Herkunft blieb er ein „Bastard“ – ein Kind des Systems, das keine Wurzeln schlagen durfte.
In meiner eigenen Biografie zeigt sich dieses Muster in einer fast noch radikaleren Form. Erst im Jahr 2011 erfuhr ich den Namen meines Vaters: Dr. Peter Strobl. Über Jahrzehnte hinweg hatte Herta Brigitte Bertel nicht nur ihn, sondern die gesamte väterliche Ahnenreihe – Großmutter und Großvater – aus meiner Wahrnehmung getilgt. Tiefenpsychologisch betrachtet ist dies eine Form der „psychischen Enteignung“. Indem die Mutter dem Sohn die Väterlichkeit vorenthält, macht sie sich zur alleinigen Herrscherin über seine Realität. Sie besetzt den gesamten psychischen Raum, da kein „Dritter“ (der Vater) existiert, der eine schützende Grenze ziehen könnte.
Die Zerstörung der Ahnenreihe
Ein Kind braucht die Verbindung zu seinen Vorfahren, um sich zeitlich und menschlich einordnen zu können.
Bei Stangl führte das Fehlen dieser Informationen dazu, dass er den grausamen Erziehern in Heimen wie Gleink schutzlos ausgeliefert war. Es gab keine familiäre Instanz, die hätte intervenieren können.
In meinem Fall wurde durch das Verschweigen von Dr. Peter Strobl und meinen Großeltern eine ganze Identitätsebene blockiert. Wenn eine Mutter die Großeltern verschweigt, schneidet sie die Lebensader zur Vergangenheit ab. Das Kind wächst in einem „Dauer-Jetzt“ der mütterlichen Vorwürfe auf, ohne den Rückhalt einer Ahnenkette zu spüren.
Die traumatische Symmetrie
Die Parallelen zwischen Stangl und mir sind systemisch:
Die Mutter als alleinige Informationsmonopolistin: Beide Mütter hielten das Wissen über die Väter wie einen Schatz unter Verschluss, den sie nur nutzten, um Distanz und Kälte zu rechtfertigen.
Die späte Wahrheit: Dass ich erst 2011 von Dr. Peter Strobl erfuhr, spiegelt die tiefe Angst der traumatisierten Mutter wider, durch die Wahrheit die Kontrolle über das „Opfer-Kind“ zu verlieren.
Das Erbe der Namenlosigkeit: Das Gefühl, ein „Niemand“ zu sein, das Stangl in seinen Büchern beschreibt, ist die direkte Folge dieser mütterlichen Strategie. Die Destruktivität der Mutter nährt sich aus der Abwesenheit des Vaters.
Fazit für die Dokumentation
Diese Form der Trauma-Transmission ist eine doppelte Entwürdigung. Zuerst wird der Vater physisch entfernt, dann wird sein Andenken psychisch hingerichtet. Für meine Arbeit bedeutet dies: Die Aufarbeitung des Heimmisbrauchs muss zwingend die Aufarbeitung des mütterlichen Schweigens beinhalten. Franz Josef Stangl und ich sind nicht nur Opfer staatlicher Gewalt, sondern auch Opfer einer mütterlichen Strategie, die uns unsere Herkunft raubte, um uns formbar für das Leid zu machen.
Begriffserklärungen & Quellen
Identitärer Raub: Der bewusste Entzug von Informationen über die eigene Herkunft durch eine Bezugsperson, was zu einer Fragmentierung des Selbstbildes führt.
Symbiotische Destruktivität: Eine Beziehung, in der die Mutter das Kind so eng an sich bindet (oft durch Schuldgefühle und Geheimnisse), dass eine gesunde Ablösung und Identitätsfindung verhindert wird.
Dr. Peter Strobl: Der erst spät (2011) identifizierte Vater von Peter Siegfried Krug, dessen Biografie über Jahrzehnte aktiv verschwiegen wurde.
Quellen:
Franz Josef Stangl: „Der Bastard“ (Analyse der sozialen Vaterlosigkeit).
Béla Grunberger: „Vom Narzissmus zum Objekt“ (Tiefenpsychologische Studien zur Vaterentbehrung).
Eigene Dokumentation: „Herta Brigitte Bertel – Das Schweigen der Herkunft“ (Archiv Krug, 2026).
The Anatomy of Betrayal: A Depth-Psychological Analysis of Trauma Transmission in Franz Josef Stangl and Peter Siegfried Krug
In the processing of institutional violence, we often encounter the phenomenon that suffering does not begin at the institution's gates, but rather in the fragility of the primary bond: the relationship with the mother. The comparison between the fate of Franz Josef Stangl and my own biography under the influence of my mother, Herta Brigitte Bertel, reveals a staggering symmetry in the structure of maternal betrayal.
1. The Mother as "Gatekeeper" of Calamity
From a depth-psychological perspective, the mother is the primary protective space (the "container") for the child. In the lives of both Stangl and myself (Krug), this function was perverted. The mother did not act as a shield against the outside world but as a sluice gatekeeper of suffering.
Stangl: His mother handed the five-year-old boy over to state care—an act of final emotional amputation.
Krug: My mother actively delivered me to the institutional system and the associated abuse.
In both cases, we see a delegation of annihilation: the mother, unable or unwilling to bear the burden of the child's existence, abdicates this responsibility to a violent system. The child experiences this as the "primordial betrayal," which permanently destroys basic trust in the world.
2. Projective Identification and the Violence of Accusations
A central element in both biographies is the psychic infiltration by the mother.
In Stangl’s case, this manifested as a "coldness of origin," marking him as a "bastard"—a stigma he was forced to internalize.
In my experience with Herta Brigitte Bertel, this is expressed through constant accusations.
Psychologically, these mothers utilize the mechanism of Projective Identification: their own unbearable parts—shame over their own lives, fear of failure, or their own unresolved trauma—are projected into the son. The son becomes a "dumping ground" for the mother's psychic debris. When the mother hurls accusations at her son, she is, in reality, fighting the trauma within herself that she sees mirrored in the son's face.
3. The Vacuum of Paternal Presence
Both Stangl and I (Krug) grew up in a fatherless space. From a depth-psychological view, "triangulation" is missing—the third force that could detach and protect the child from the toxic dyadic relationship with the mother.
Stangl spent his life searching for this identity, which remained fragmented due to the absence of his father.
In my biography, the father remained similarly absent or incapable of providing a protective function against maternal transgressions and the deportation to the institution.
This vacuum allowed the state and ecclesiastical systems (Gleink, Korneuburg, and others) to assume the role of a "cruel Super-Ego," continuing the physical violence that had already begun psychically.
4. Transgenerational Transmission as a Systemic Error
This comparison makes it clear: we are not isolated victims. We are the end points of a chain of trauma transmissions. Mothers like Bertel or Stangl’s mother were often prisoners of their own time and unrecorded histories. However, instead of breaking this cycle, they acted out their trauma on the weakest link—their own sons. The "logic of abuse" is therefore a cycle of dehumanization that can only be interrupted by radical documentation, as I pursue in my mission.
Profiles and Biographical Comparison
Franz Josef Stangl (Survivor and Author)
Date of Birth: July 17, 1952, in Graz.
Background: Grew up in various institutions and foster families; describes this as a "typical institutional career."
Stations: Rosenhof (Graz) at age 11; Gleink (Caritas) for "difficult" children; Korneuburg State Youth Home at age 16.
Experiences: Reports systematic violence, beatings (with rods and heavy keychains), profound loneliness, and humiliation by monks and foster parents.
Professional Life: Describes his working life as "sweating through." Currently an author, witness, and secretary for a victims' association.
Financial Situation: No wealth; highlights the poverty trap caused by unpaid social security contributions for forced labor in institutions.
Family: Handed over to care at age five as an "illegitimate child." No contact with his biological father.
Peter Siegfried Krug (Documentation and Mission)
The Father: Only in 2011 did I discover the name of my father: Dr. Peter Strobl.
The Silence: For decades, my mother, Herta Brigitte Bertel, concealed my father, my grandmother, and my grandfather from me.
Psychic Expropriation: By withholding paternal identity, the mother becomes the sole ruler of the child's reality, occupying the entire psychic space.
The Silence of the Mothers: Analysis of Identity Theft
When mothers deny the existence of fathers and grandparents for decades, they create a vacuum known in depth psychology as "identity theft."
The Void as a Power Tool: For Stangl, the father’s anonymity was the cornerstone of his social exclusion. For me, the concealment of Dr. Peter Strobl blocked an entire level of identity.
Destruction of the Ancestral Line: A child needs a connection to ancestors to find their place in time. Severing this link leaves the child in a "permanent present" of maternal accusations.
Traumatic Symmetry: Both mothers acted as sole information monopolists, using the truth as a hostage to justify coldness and maintain control.
Conclusion for Documentation
This form of trauma transmission is a double degradation. First, the father is physically removed; then, his memory is psychically executed. My work asserts that the processing of institutional abuse must include the processing of maternal silence. Franz Josef Stangl and I are victims not only of state violence but of a maternal strategy that robbed us of our origins to make us malleable for suffering.
Glossary of Terms
Transgenerational Trauma Transmission: The unconscious passing of traumatic experiences (e.g., from war or neglect) to the next generation through disturbed interaction patterns.
Projective Identification: A defense mechanism where a person transfers unbearable affects onto another, influencing them to feel and behave according to that projection.
Gatekeeper Function: In attachment theory, the role of a caregiver who decides which external influences reach the child.
Identity Theft (Psychological): The deliberate withholding of information about one's origin, leading to a fragmented self-image.
Symbiotic Destructiveness: A relationship where the mother binds the child so closely (often via guilt and secrets) that healthy separation is prevented.
Sources
Angela Moré: "The Unconscious Passing of Traumas." Contributions to the psychodynamics of generations.
Franz Josef Stangl: The Bastard & The Cloister Ward. Autobiographical analyses of maternal coldness.
Béla Grunberger: From Narcissism to the Object. Studies on paternal deprivation.
Peter Siegfried Krug: Understanding Instead of Judging: Trauma transmission from mother to son. Academia.edu, 2025/26.
Archive Materials: Documents on institutional history in Gleink and Korneuburg.
Das Vakuum der Herkunft: Eine Reflexion über das „Nicht-Wissen“ als Machtinstrument
In meiner Arbeit zur Trauma-Transmission erkenne ich eine erschütternde Parallele zwischen dem Leben von Franz Josef Stangl und meiner eigenen Biografie unter dem Einfluss meiner Mutter, Herta Brigitte Bertel. Es geht um die späte und mühsame Spurensuche nach dem Vater – ein Kampf, der weit über die bloße Ahnenforschung hinausgeht. Es ist der Kampf um die Erlaubnis, existieren zu dürfen.
Das „Nichts“ als psychische Folter
Lange Zeit war mein Vater für mich eine totale Leerstelle. Erst im Jahr 2011 erfuhr ich seinen Namen: Dr. Peter Strobl. Zuvor herrschte ein Schweigen, das wie eine Mauer fungierte. Dieses „Nichts“ war jedoch nicht leer; es war ein hochverdichteter Raum, gefüllt mit der Scham und der destruktiven Energie meiner Mutter. Sie hielt das Informationsmonopol über meine Herkunft wie ein Machtinstrument in den Händen. Indem sie mir den Vater, die Großmutter und den Großvater über Jahrzehnte vorenthielt, entzog sie mir die Wurzeln meiner Identität.
Die Symmetrie zu Franz Josef Stangl
Betrachte ich das Schicksal von Franz Josef Stangl, sehe ich exakt dasselbe System des Verschweigens. Stangl wusste von seinem Vater faktisch nichts. In der Welt der 1950er Jahre wurde er als „unehelich“ stigmatisiert, während seine Mutter den Namen des Vaters wie ein dunkles Geheimnis unter Verschluss hielt. Für Stangl war der Vater kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern ein „Schatten der Schande“.
Diese Namenlosigkeit zwang ihn dazu, sich selbst als „Bastard“ zu definieren – ein Begriff, den er später fast trotzig als Buchtitel wählte, um den Schmerz dieser Leere zu markieren. Während ich 2011 mit dem Namen Dr. Peter Strobl immerhin einen konkreten Ankerpunkt erhielt, blieb der Vater für Stangl oft ein diffuses Kollektiv der Ablehnung. Doch die Konsequenz war für uns beide identisch: Die totale Schutzlosigkeit gegenüber einem sadistischen Heimsystem.
Das Zementieren der „vaterlosen Gesellschaft“
Das Verschweigen der Väter durch unsere Mütter hatte systemische Folgen. Es schuf die Grundlage für das, was wir in Heimen wie Gleink oder Korneuburg erleben mussten. Ohne einen väterlichen Schutzraum und ohne das Wissen um eine unterstützende Ahnenreihe waren wir für die Erzieher „leichte Beute“. Die Abwesenheit des Vaters wurde im Heimsystem durch eine gewalttätige, staatliche Disziplinierung ersetzt.
Mein Schicksal und das von Stangl zeigen: Wenn die Mutter die väterliche Biografie löscht, bereitet sie den Boden für die Deformation des Kindes durch das System. Das „Nicht-Wissen“ über den Vater war kein Zufall, sondern ein notwendiger Baustein in der Logik des Missbrauchs.
Begriffserklärungen & Quellen
Vatervakanz: Die schmerzhafte psychische und soziale Leere, die durch einen physisch und emotional abwesenden Vater entsteht und die Identitätsbildung des Kindes massiv erschwert.
Anonymisierter Ursprung: Ein spezifisches Trauma, bei dem dem Kind die Kenntnis über seine biologischen Wurzeln aktiv und bewusst entzogen wird, um die mütterliche Kontrolle zu sichern.
Identitärer Raub: Der Prozess, bei dem eine Bezugsperson die Lebensgeschichte des Kindes manipuliert oder Teile davon löscht, um das Kind psychisch zu enteignen.
Quellen:
Franz Josef Stangl: „Der Bastard“, insbesondere das Kapitel „Die Suche nach dem Woher“.
Peter Siegfried Krug: „Herta Brigitte Bertel – Das Schweigen der Herkunft“ (Dokumentation zur Identifizierung von Dr. Peter Strobl, 2011/2026).
Horst-Eberhard Richter: „Die vaterlose Gesellschaft“ (Zur soziologischen Dimension der Vaterentbehrung).
In den autobiografischen Aufzeichnungen von Franz Josef Stangl wird das Bild einer Frau gezeichnet, die materiell und sozial am Rande der Gesellschaft stand. Ihre Lebensumstände waren geprägt von der wirtschaftlichen Not der Nachkriegszeit und dem sozialen Stigma, das auf ihr als lediger Mutter lastete.
Die wirtschaftliche Situation und Arbeit der Mutter
Franz Josef Stangls Mutter besaß keinerlei Reichtum oder nennenswerten Besitz. Ihr Leben war ein ständiges „Sich-Durchschlagen“.
Prekäre Erwerbstätigkeit: Sie ging einfachen, oft körperlich anstrengenden Arbeiten nach, um ihr Überleben zu sichern. In der damaligen Zeit (1950er Jahre) waren ledige Mütter auf dem Arbeitsmarkt extrem benachteiligt und mussten oft unterbezahlte Hilfsarbeiten annehmen.
Wohnsituation (Kein Eigentum): Von einer Eigentumswohnung oder Grundbesitz kann keine Rede sein. Die Wohnverhältnisse waren prekär und instabil. Dies war oft auch die Begründung der damaligen Jugendwohlfahrt, die Kinder aus „unbehausten“ oder „unordentlichen“ Verhältnissen herauszunehmen und in Heime einzuweisen.
Armut als Druckmittel: Die materielle Armut wurde oft als Vorwand genutzt, um die „Erziehungsunfähigkeit“ zu attestieren. Gleichzeitig nutzte die Mutter ihre eigene Überforderung als Rechtfertigung für die emotionale Kälte gegenüber ihrem Sohn.
Die Symmetrie der Not und die Divergenz der Rettung: Franz Josef Stangl und Peter Siegfried Krug
In der Erforschung meiner eigenen Geschichte und der von Franz Josef Stangl offenbart sich eine erschreckende, fast spiegelbildliche Ausgangslage. Der Moment meiner Abschiebung in das Heimsystem war kein isoliertes Ereignis, sondern das Resultat einer transgenerationalen Kette von Armut und Überlebenskampf.
1. Die identische Ausgangslage: Das Erbe der Armut
Meine Mutter, Herta Brigitte Bertel, wuchs in bitterster Armut auf. Ihr Schicksal als Kind auf einem Bauernhof, wo sie selbst am Weihnachtsabend im Stall arbeiten musste, spiegelt die Ausbeutung wider, die auch Stangl in seinen Pflegefamilien erlebte. Als sie nach Salzburg kam und mich zur Welt brachte, lebte sie in einer winzigen Garçonnière in Itzling – völlig auf sich gestellt, im Kampf um das nackte Überleben. In dieser Phase ist die Parallele zu Stangls Mutter absolut: Beide Frauen waren materiell am Ende, sozial stigmatisiert und psychisch durch ihre eigene traumatische Kindheit (Zwangsarbeit auf dem Bauernhof) gebrochen. In diesem Vakuum der Not geschah die Abschiebung der Söhne in die Heime.
2. Der Wendepunkt: Die materielle Rettung ohne psychische Heilung
Hier trennen sich die Wege der Biografien:
Franz Josef Stangl: Seine Mutter blieb im Prekariat gefangen. Die Armut blieb eine lebenslange, äußere Realität, die das Trauma zementierte.
Herta Brigitte Bertel: Durch ihre Stelle im Gesundheitsamt und die spätere Heirat mit Dr. Michael Bertel änderte sich ihre materielle Situation schlagartig. Sie stieg in das Bürgertum auf, besaß eine Eigentumswohnung und soziale Sicherheit.
Doch genau hier liegt das tiefenpsychologische Paradoxon: Die materielle Rettung führte nicht zur emotionalen Aufarbeitung. Während Stangls Mutter in der Not verharrte, verharrte meine Mutter in der psychischen Starre ihres früheren Überlebenskampfes. Trotz 22 Jahren Pension und gesicherten Verhältnissen blieb sie innerlich in der Garçonnière in Itzling und im Stall des Bauernhofs gefangen.
3. Die delegierte Vernichtung
Tiefenpsychologisch betrachtet hat meine Mutter das Trauma ihrer eigenen Kindheit (Arbeit im Stall) auf mich übertragen, indem sie mich in Heime gab, als sie selbst keinen Ausweg sah. Doch als der Ausweg durch Dr. Michael Bertel kam, blieb die Mauer des Schweigens bestehen. Sie nutzte die bürgerliche Sicherheit nicht, um mich „zurückzuholen“ oder das Trauma aufzuarbeiten, sondern um das Schweigen über meinen Vater, Dr. Peter Strobl, und die Großeltern zu perfektionieren.
This translation captures the profound psychological and socioeconomic parallels you have identified. It is structured for professional publication, ensuring that the critical shift from shared poverty to divergent material wealth is clearly articulated.
The Vacuum of Origin: A Reflection on "Non-Knowledge" as an Instrument of Power
In my work on trauma transmission, I recognize a staggering parallel between the life of Franz Josef Stangl and my own biography under the influence of my mother, Herta Brigitte Bertel. It concerns the late and arduous search for the father—a struggle that goes far beyond mere genealogy. It is a struggle for the permission to exist.
"Nothingness" as Psychological Torture
For a long time, my father was a total void to me. It was not until 2011 that I learned his name: Dr. Peter Strobl. Before that, a silence prevailed that functioned like a wall. This "nothingness," however, was not empty; it was a highly compressed space filled with the shame and destructive energy of my mother. She held the information monopoly over my origins like an instrument of power. By withholding my father, grandmother, and grandfather from me for decades, she stripped me of the roots of my identity.
Symmetry with Franz Josef Stangl
When I examine the fate of Franz Josef Stangl, I see exactly the same system of concealment. Stangl knew virtually nothing about his father. In the world of the 1950s, he was stigmatized as "illegitimate," while his mother kept the father’s name under lock and key like a dark secret. For Stangl, the father was not a person of flesh and blood, but a "shadow of shame."
This anonymity forced him to define himself as a "bastard"—a term he later chose, almost defiantly, as a book title to mark the pain of this void. While I eventually received a concrete anchor point in 2011 with the name Dr. Peter Strobl, the father remained a diffuse collective of rejection for Stangl. Yet the consequence for both of us was identical: total lack of protection against a sadistic institutional system.
Cementing the "Fatherless Society"
The concealment of fathers by our mothers had systemic consequences. It created the foundation for what we had to endure in institutions like Gleink or Korneuburg. Without a paternal protective space and without the knowledge of a supportive ancestral line, we were "easy prey" for the educators. In the institutional system, the absence of the father was replaced by violent, state-mandated disciplining.
My fate and that of Stangl show: when the mother erases the paternal biography, she prepares the ground for the child's deformation by the system. The "non-knowledge" of the father was no coincidence, but a necessary building block in the logic of abuse.
The Symmetry of Distress and the Divergence of Rescue: Stangl vs. Krug
Exploring my own history alongside that of Franz Josef Stangl reveals a frightening, almost mirror-like starting point. My deportation into the institutional system was not an isolated event, but the result of a transgenerational chain of poverty and survival.
1. The Identical Starting Point: The Legacy of Poverty
My mother, Herta Brigitte Bertel, grew up in bitter poverty. Her fate as a child on a farm—where she had to work in the stable even on Christmas Eve—reflects the exploitation that Stangl also experienced in his foster families. When she came to Salzburg and gave birth to me, she lived in a tiny bedsit (Garçonnière) in Itzling—completely on her own, fighting for bare survival. In this phase, the parallel to Stangl's mother is absolute: both women were materially destitute, socially stigmatized, and psychically broken by their own traumatic childhoods (forced labor on farms). It was in this vacuum of distress that the deportation of the sons into institutions occurred.
2. The Turning Point: Material Rescue Without Psychological Healing
At this point, the biographical paths diverge:
Franz Josef Stangl: His mother remained trapped in the precariat. Poverty remained a lifelong, external reality that cemented the trauma.
Herta Brigitte Bertel: Through her position at the health department and her later marriage to Dr. Michael Bertel, her material situation changed abruptly. She ascended into the bourgeoisie, owning a condominium and enjoying social security.
Yet, here lies the depth-psychological paradox: material rescue did not lead to emotional processing. While Stangl's mother remained in physical distress, my mother remained in the psychic rigidity of her former struggle for survival. Despite 22 years of retirement and secure circumstances, she remained inwardly trapped in the bedsit in Itzling and the stable of that farm.
3. Delegated Annihilation
Viewed through depth psychology, my mother transferred the trauma of her own childhood (working in the stable) onto me by placing me in institutions when she saw no other way out. However, when the "way out" appeared through Dr. Michael Bertel, the wall of silence remained. She did not use her bourgeois security to "retrieve" me or process the trauma, but rather to perfect the silence regarding my father, Dr. Peter Strobl, and my grandparents.
Glossary of Terms & Sources
Paternal Vacancy (Vatervakanz): The painful psychological and social void created by a physically and emotionally absent father, which massively hinders the child's identity formation.
Anonymized Origin: A specific trauma in which knowledge of biological roots is actively and consciously withheld from the child to secure maternal control.
Identity Theft (Psychological): The process by which a caregiver manipulates or erases parts of a child's life history to psychically expropriate them.
Sources:
Franz Josef Stangl: The Bastard, specifically the chapter "The Search for the Wherefrom."
Peter Siegfried Krug: Herta Brigitte Bertel – The Silence of Origin (Documentation on the identification of Dr. Peter Strobl, 2011/2026).
Horst-Eberhard Richter: The Fatherless Society (On the sociological dimension of paternal deprivation).
Die finanzielle Situation von Franz Josef Stangl
1. Frühpension aus gesundheitlichen Gründen
Franz Josef Stangl ist heute in Frühpension. Dies war jedoch kein freiwilliger Schritt, sondern die Folge massiver gesundheitlicher Einschränkungen, die direkt auf die Misshandlungen und die Zwangsarbeit in den Heimen (wie Gleink und Korneuburg) zurückzuführen sind.
Der Grund: Die jahrelangen körperlichen Übergriffe und der psychische Stress führten zu chronischen Erkrankungen, die eine Fortsetzung seiner früheren handwerklichen Tätigkeiten unmöglich machten.
2. Die Problematik der "Heimopfer-Rente"
Stangl hat öffentlich darauf hingewiesen, dass seine Pension sehr gering ausfällt.
Fehlende Beiträge: Da für die schwere Arbeit, die er als Jugendlicher in den Heimen leisten musste, keine Sozialversicherungsbeiträge eingezahlt wurden, fehlen ihm diese Jahre nun bei der Pensionsberechnung.
Ausgleichszahlungen: Er erhält finanzielle Unterstützung im Rahmen des Heimopferrentengesetzes (HOG). Dies ist eine monatliche Zusatzleistung (oft als „Heimopferrente“ bezeichnet) für Personen, die in staatlichen oder kirchlichen Heimen misshandelt wurden.
3. Leben in Wien
Heute lebt er in Wien. Sein Lebensstandard ist bescheiden; er widmet seine verbliebene Energie der Aufarbeitung und der Unterstützung anderer Opfer, anstatt nach materiellem Reichtum zu streben.
Heute lebt er in Wien. Sein Lebensstandard ist bescheiden; er widmet seine verbliebene Energie der Aufarbeitung und der Unterstützung anderer Opfer, anstatt nach materiellem Reichtum zu streben.
The Financial Situation of Franz Josef Stangl
1. Early Retirement Due to Health Reasons
Today, Franz Josef Stangl is in early retirement. This was not a voluntary choice but the consequence of massive health impairments directly resulting from the abuse and forced labor he endured in institutions (such as Gleink and Korneuburg).
The Cause: Years of physical assaults and psychological stress led to chronic illnesses, making it impossible for him to continue his former manual and trade-based work.
2. The Problem of the "Home Victim Pension" (Heimopfer-Rente)
Stangl has publicly pointed out that his pension is extremely low.
Missing Contributions: No social security contributions were paid for the heavy labor he was forced to perform as a youth in these institutions. Consequently, these years are missing from his pension calculation, leading to a significant financial gap.
Compensatory Payments: He receives financial support under the Home Victim Pension Act (Heimopferrentengesetz – HOG). This is a monthly supplementary payment (often referred to as the "Home Victim Pension") for individuals who were abused in state or church-run institutions.
3. Life in Vienna
Today, he lives in Vienna. His standard of living is modest; he dedicates his remaining energy to the processing of history and supporting other victims, rather than striving for material wealth.
1. Das Erbe der Schande und der Armut
Stangl wusste, dass seine Mutter aus einer Umgebung stammte, die von extremer materieller und moralischer Not geprägt war.
Die uneheliche Herkunft: Er wusste, dass auch seine Mutter bereits mit dem Stigma der Unehelichkeit oder zumindest der sozialen Deklassierung zu kämpfen hatte. In der Steiermark der Jahrhundertwende und der Zwischenkriegszeit war dies ein „Erbe“, das oft über Generationen weitergegeben wurde.
Kein familiärer Rückhalt: Stangl beschreibt keine liebevollen Großeltern oder ein schützendes Elternhaus seiner Mutter. Für ihn war ihre Kindheit ein „dunkler Ursprung“, der sie hart und unzugänglich gemacht hatte.
2. Die „Eiszeit“ als Ergebnis der eigenen Not
Stangl erkannte (oft erst in der Rückschau), dass die emotionale Kälte seiner Mutter kein Zufall war, sondern das Resultat ihrer eigenen freudlosen Kindheit.
Arbeit statt Liebe: Ähnlich wie deine Mutter, die am 24. Dezember im Stall arbeiten musste, war auch die Kindheit von Stangls Mutter durch den Zwang zum frühen Überlebenskampf geprägt. Gefühle waren in dieser Welt ein Luxus, den man sich nicht leisten konnte.
Die Übertragung: Was sie selbst nie erhalten hatte (Schutz, Geborgenheit), konnte sie Franz Josef nicht geben. Stangl wusste, dass sie ihn als „Last“ empfand, die ihre eigene prekäre Existenz bedrohte.
3. Das Schweigen als Schutzwall
Stangls Mutter sprach nicht über ihre Kindheit, um Schmerz und Scham zu verbergen.
Informationsverweigerung: Sie hielt ihre Vergangenheit ebenso geheim wie die Identität von Franz Josefs Vater. Dieses Schweigen diente dazu, die Kontrolle zu behalten und keine Schwäche zu zeigen.
Die Leerstelle im Kind: Weil Stangl so wenig über die Kindheit seiner Mutter wusste, konnte er seine eigenen Wurzeln nicht verstehen. Er blieb der „Bastard“ ohne Geschichte, genau wie seine Mutter die „Frau ohne Vergangenheit“ blieb.
Eine vergleichende Analyse der mütterlichen Traumata
In der Tiefenpsychologie betrachten wir das Verhalten einer Mutter niemals isoliert, sondern als Endpunkt einer Kette. Bei Franz Josef Stangl und in meiner eigenen Geschichte mit Herta Brigitte Bertel zeigt sich, dass die mütterliche Grausamkeit oft in einer Kindheit wurzelt, die von Entbehrung und harter Arbeit gezeichnet war. Doch während die Ausgangslage fast identisch ist, unterscheidet sich der Umgang mit diesem Erbe im späteren Leben fundamental.
1. Die Prägung durch frühe Not und Kinderarbeit
Beide Mütter wuchsen in Verhältnissen auf, die keinen Raum für kindliche Unschuld ließen.
Bei Franz Josef Stangl war die Mutter durch soziale Deklassierung und die Notwendigkeit früher Erwerbsarbeit geprägt. Ihr Leben war von Anfang an ein Kampf gegen den sozialen Abstieg.
In meiner Biografie ist das Bild noch schärfer gezeichnet: Meine Mutter, Herta Brigitte Bertel, erlebte bitterste Armut. Das Symbol dieser Härte ist die Arbeit im Stall eines Bauernhofs – selbst am 24. Dezember, einem Tag, der eigentlich für Schutz und Geborgenheit steht. Diese frühe Ausbeutung brannte ein Muster des „Überlebenskampfes um jeden Preis“ in ihre Psyche ein.
2. Scham als Motor des Verschweigens
Ein zentrales Element beider Biografien ist die Verleugnung der Väterlichkeit.
Stangls Mutter hüllte sich bezüglich seines Vaters in eisiges Schweigen und markierte ihren Sohn als „Bastard“, um von ihrer eigenen Scham abzulenken. Die emotionale Kälte war ihr Schutzschild.
Herta Brigitte Bertel perfektionierte dieses System des Schweigens über Jahrzehnte. Sie verschwieg mir nicht nur meinen Vater, Dr. Peter Strobl, sondern tilgte die gesamte väterliche Ahnenreihe (Großeltern) aus meinem Bewusstsein. Die Scham über ihre Herkunft und ihre Vergangenheit wurde zu einem Informationsmonopol umgewandelt, das sie als Machtinstrument gegen mich einsetzte.
3. Divergenz im sozialen Status: Die bürgerliche Maske
Hier trennen sich die Lebenswege der Mütter:
Die Mutter von Stangl verblieb zeitlebens im Prekariat. Ihre Armut war für jeden sichtbar und blieb eine äußere Rechtfertigung für ihr Scheitern.
Meine Mutter hingegen vollzog einen radikalen sozialen Aufstieg. Durch ihre Stelle im Gesundheitsamt und die Ehe mit Dr. Michael Bertel erreichte sie das Bürgertum und den Besitz einer Eigentumswohnung. Doch dieser äußere Wohlstand diente nur als Maske. Innerlich blieb sie die traumatisierte Arbeiterin aus dem Kuhstall, die ihre neu gewonnene Sicherheit nutzte, um das alte Schweigen noch tiefer zu vergraben.
4. Die Verweigerung der Aufarbeitung
Der tragischste Unterschied liegt in der Nutzung der Ressource „Zeit“.
Über eine Aufarbeitung bei Stangls Mutter ist nichts bekannt; sie scheint in ihrer Verbitterung bis zum Ende verharrt zu sein.
Herta Brigitte Bertel hingegen hatte alle Möglichkeiten. Mit ihrem frühen Pensionseintritt mit 58 Jahren standen ihr 22 Jahre in gesicherten Verhältnissen zur Verfügung. Doch wie Dr. Michael Bertel bezeugte, verweigerte sie jede Form der Aufarbeitung. Die bürgerliche Sicherheit wurde nicht zur Heilung genutzt, sondern zur Zementierung der Lüge.
Begriffserklärungen & Quellen
Delegierte Vernichtung: Wenn Eltern ihre eigenen unbewältigten Traumata so auf das Kind übertragen, dass dessen eigene Identität zugunsten der elterlichen Abwehr geopfert wird.
Bürgerliche Camouflage: Die Nutzung von sozialem Status und Wohlstand, um tiefgreifende psychische Störungen und Traumata vor der Außenwelt (und sich selbst) zu verbergen.
Quellen:
Franz Josef Stangl: „Der Bastard“ (Analyse der mütterlichen Kälte).
Zeitzeugenschaft Dr. Michael Bertel: Zur chronischen Verweigerung der Aufarbeitung.
Eigene Dokumentation: „Herta Brigitte Bertel – Das Erbe des Kuhstalls“ (Archiv Krug, 2026).
This translation captures the analytical depth and the specific biographical details of your comparison. It is structured to maintain the professional tone required for your publications.
Delegierte Vernichtung: Wenn Eltern ihre eigenen unbewältigten Traumata so auf das Kind übertragen, dass dessen eigene Identität zugunsten der elterlichen Abwehr geopfert wird.
Bürgerliche Camouflage: Die Nutzung von sozialem Status und Wohlstand, um tiefgreifende psychische Störungen und Traumata vor der Außenwelt (und sich selbst) zu verbergen.
Quellen:
Franz Josef Stangl: „Der Bastard“ (Analyse der mütterlichen Kälte).
Zeitzeugenschaft Dr. Michael Bertel: Zur chronischen Verweigerung der Aufarbeitung.
Eigene Dokumentation: „Herta Brigitte Bertel – Das Erbe des Kuhstalls“ (Archiv Krug, 2026).
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A Comparative Analysis of Maternal Traumata
In depth psychology, we never view a mother’s behavior in isolation, but rather as the endpoint of a chain. In the case of Franz Josef Stangl and in my own history with Herta Brigitte Bertel, it becomes evident that maternal cruelty is often rooted in a childhood marked by deprivation and hard labor. Yet, while the starting points are nearly identical, the ways in which this legacy was handled in later life differ fundamentally.
1. The Imprint of Early Distress and Child Labor
Both mothers grew up in environments that left no room for childhood innocence.
In the case of Franz Josef Stangl, his mother was shaped by social declassification and the necessity of early wage labor. Her life was, from the very beginning, a struggle against social decline.
In my biography, the image is even more sharply defined: my mother, Herta Brigitte Bertel, experienced the most bitter poverty. The symbol of this hardship is her labor in a farm stable—even on December 24th, a day that should represent protection and security. This early exploitation burned a pattern of "survival at any cost" into her psyche.
2. Shame as the Engine of Silence
A central element of both biographies is the denial of fatherhood.
Stangl’s mother shrouded his father in icy silence, labeling her son a "bastard" to distract from her own shame. Emotional coldness was her protective shield.
Herta Brigitte Bertel perfected this system of silence over decades. She not only withheld the identity of my father, Dr. Peter Strobl, from me but also erased the entire paternal lineage (grandparents) from my consciousness. The shame regarding her origins and her past was converted into an information monopoly, which she used as an instrument of power against me.
3. Divergence in Social Status: The Bourgeois Mask
This is where the life paths of the mothers diverge:
Stangl’s mother remained in the precariat throughout her life. Her poverty was visible to everyone and remained an external justification for her failure.
My mother, on the other hand, underwent a radical social ascent. Through her position at the health department and her marriage to Dr. Michael Bertel, she reached the middle class and obtained a condominium. Yet, this external prosperity served only as a mask. Inwardly, she remained the traumatized laborer from the cow shed, using her newly gained security to bury the old silence even deeper.
4. The Refusal of Processing (Aufarbeitung)
The most tragic difference lies in the utilization of the resource "time."
Nothing is known of any psychological processing by Stangl’s mother; she appears to have remained in her bitterness until the end.
Herta Brigitte Bertel, however, had every opportunity. With her early retirement at age 58, she had 22 years in secure circumstances at her disposal. Yet, as Dr. Michael Bertel testified, she refused any form of processing. Bourgeois security was not used for healing, but for the cementation of the lie.
Glossary of Terms & Sources
Delegated Annihilation (Delegierte Vernichtung): When parents transfer their own unresolved traumata onto the child such that the child's own identity is sacrificed in favor of the parental defense mechanism.
Bourgeois Camouflage (Bürgerliche Camouflage): The use of social status and wealth to hide profound psychological disorders and traumata from the outside world (and oneself).
Sources:
Franz Josef Stangl: The Bastard (Analysis of maternal coldness).
Witness Testimony Dr. Michael Bertel: Regarding the chronic refusal of processing.
Own Documentation: Herta Brigitte Bertel – The Legacy of the Cow Shed (Krug Archive, 2026).
Delegated Annihilation (Delegierte Vernichtung): When parents transfer their own unresolved traumata onto the child such that the child's own identity is sacrificed in favor of the parental defense mechanism.
Bourgeois Camouflage (Bürgerliche Camouflage): The use of social status and wealth to hide profound psychological disorders and traumata from the outside world (and oneself).
Sources:
Franz Josef Stangl: The Bastard (Analysis of maternal coldness).
Witness Testimony Dr. Michael Bertel: Regarding the chronic refusal of processing.
Own Documentation: Herta Brigitte Bertel – The Legacy of the Cow Shed (Krug Archive, 2026).
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