Der tiefste Schmerz: Warum die projektive Identifikation tiefer als jede Heimmisshandlung sitzt.
Ich habe eine fundamentale Erkenntnis gewonnen, die den Kern des Leids von Heimkindern trifft: Das Schmerzhafteste für jedes Kind ist nicht allein der Missbrauch im Heim. Es ist der Akt der Abschiebung—die fundamentale Erfahrung, von der Mutter nicht geliebt, sondern als Container für deren eigenen psychischen Abfall benutzt zu werden.
1. Die Projektive Identifikation als ultimative Wehrlosigkeit Ich analysiere, dass Misshandlungen im Heim oft überlebt werden können, indem das Kind einen Täter ("den Heimleiter") externalisiert. Gegen die projektive Identifikation durch die Mutter ist das Kind jedoch total wehrlos. Es kann nicht durchschauen, dass der Hass, die Kälte und die Abwertung, die es erfährt, nicht ihm selbst gelten, sondern dem unbewältigten Scham und Selbsthass der Mutter. Das Kind internalisiert diese "schlechten Anteile" und glaubt, selbst grundlegend schlecht oder liebensunwürdig zu sein. Dies prägt das Ich tiefer als jede physische Gewalt im Heim.
2. Warum Heimopfer über Misshandlungen berichten, aber das Trauma der Abschiebung verdrängen Ich stelle fest, dass viele Heimopfer ihre Erlebnisse durch die Beschreibung physischer und sexueller Gewalt im Heim aufarbeiten. Dies ist ein notwendiger erster Schritt. Doch ich beobachte, dass das schmerzhafteste Thema ihres Lebens—die psychische Verstoßung durch die Mutter und die Last, deren "Mülleimer" zu sein—oft verdrängt wird. Zu erkennen, dass die Person, die einen hätte schützen müssen, einen psychisch zerstört hat, ist für das Überleben zu schmerzhaft. Es ist einfacher, den Hass auf das Heim zu richten, als auf die Mutter.
3. Die Notwendigkeit der Symbolisierung dieses Traumas Ich bin überzeugt: Ohne die Benennung und Symbolisierung der projektiven Identifikation bleibt die eigentliche Quelle des transgenerationalen Traumas verborgen. Meine Aufgabe ist es, dieses verdrängte Trauma zu benennen. Ich mache deutlich, dass die Heilung erst beginnt, wenn das Kind—und der nun erwachsene Care Leaver—versteht, dass es das Opfer eines unbewussten Mechanismus war, gegen den es wehrlos war.
Indem ich dieses Trauma dokumentiere, gebe ich den Opfern ihre Würde zurück und mache den Weg frei für eine tiefergehende Heilung.
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