Kinderheim Itzling - Von der Isolation zur perfiden Erziehungsmethode
Der Beginn der institutionellen Kette (0 bis 6 Jahre)
H3: Kinderheim Itzling: Von der Isolation zur perfiden Erziehungsmethode (2–6 Jahre)
Nach den ersten zwei Jahren im Säuglingsheim setzte sich die Kette der Institutionalisierung von 1968 bis 1972 im Kinderheim in der Kirchenstraße 33 in Itzling fort. Diese Phase markierte den Übergang von passiver Vernachlässigung zu aktiver psychischer Traumatisierung durch perfide Erziehungsmethoden.
H4: Architektur der Gefangenschaft (1968–1972)
Das Kinderheim nahm Jungen und Mädchen bis zu sechs Jahren auf, war jedoch als geschlossene Anstalt konzipiert. Peter Krug empfand die Umgebung als Gefängnis. Der Tagesablauf war strikt reguliert, ohne jegliche Möglichkeiten zum Rückzug – die Kinder hatten keinen Ort, sich zu verstecken. Die Umgebung war eintönig, bestehend aus dem Garten unter Bäumen oder einem Gemeinschaftsraum. Selbst das Essen, wie der ungeliebte Malzkaffee, trug zur Monotonie bei. Trotz fehlender Freunde und Bezugspersonen war die Abholung durch die biologische Mutter am Wochenende die einzige Möglichkeit, in diesen ersten sechs Jahren Freiheit zu erleben. Peter war in dieser Zeit zutiefst unglücklich.
H4: Psychische Misshandlung und die Methode der Angst
Obwohl keine physische Misshandlung stattfand, war das Heim von Methoden der Einschüchterung und Angst geprägt. Ein prägendes Erlebnis war die Bestrafung durch eine junge Betreuerin, die den kleinen Peter die Steintreppe hinunter in den dunklen Keller zerrte und ihn dort einschloss. Hilflos und in Panik konnte er durch einen Türspalt sehen, wie die Frau rauchte und zusah, bevor sie verschwand. Tage später litt Peter noch unter zitternden Knien und den schlimmsten Albträumen.
Zu den perfiden Erziehungsmethoden gehörte auch die kollektive Einschüchterung: 10 bis 15 Kinder wurden nachts in einen Aufenthaltsraum gebracht. Eine Betreuerin wies sie an, auf dem Boden zu sitzen, öffnete die Tür zum Garten und sagte, bevor sie das Licht löschte: „Jetzt holt euch der Teufel!“ Sie ließ die Kinder allein in der Dunkelheit mit der offenen Tür ins Freie zurück.
H4: Weihnachten: Der Gipfel der emotionalen Ablehnung
Einmal jährlich, zu Weihnachten und den folgenden Tagen, wurden die Kinder üblicherweise von ihren Eltern abgeholt. Peter Krug wartete ängstlich, wurde aber auch in der Weihnachtszeit nicht abgeholt. Er war eines der wenigen Kinder, die zurückgelassen wurden, was ihn in tiefe Trauer stürzte und ihn ununterbrochen weinen ließ. Die Ironie: Die Mutter (Herta Krug, damals noch unverheiratet) lebte nur etwa 80 Meter entfernt in einer 34 Quadratmeter großen Garçonnière in der Goethestraße 12.
H4: Der Fluchtversuch und die ultimative Zurückweisung
Aus dieser tiefen Verzweiflung heraus nutzte Peter Krug die Gelegenheit und floh aus dem Heim. Weinend fand er den Weg zum Wohnblock der Mutter. Als er ankam und an ihre Tür klopfte, öffnete die Mutter die Tür nur einen Spalt und wies ihn an, sofort ins Heim zurückzukehren. Dieser Moment war für Peter Krug einer der schlimmsten seines Lebens, da er die endgültige Ablehnung durch die eigene Mutter nicht begreifen konnte. Trotz dieser traumatischen Erfahrung durfte Peter die Mutter, als er fast sechs Jahre alt war, an Wochenenden allein besuchen.
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