Ich war das Kind - das niemand suchte (von Peter Siegfried Krug)
Im Heim. Im Wald. Im Elmo-Kino, wo die Lichter flackerten, aber nie auf mich fielen.
Ich hatte keinen Namen, nur eine Nummer.
Ich hatte keine Stimme, nur Schweigen.
Im Heim: ein Bett unter vielen, ein Körper unter Decken,
ein Atemzug, der niemandem gehörte.
Die Wände rochen nach Desinfektion und vergessenen Tränen.
Ich hatte keinen Namen, und war nur eine Nummer.
127. Oder 83. Oder gar keine.
Ein Stempel auf einem Akt. Ein Haken auf einer Liste.
Ein „Fall“, der abgelegt wurde.
Ich hatte keine Stimme, nur Schweigen.
Ein Schweigen, das schwerer war als Worte.
Ein Schweigen, das wuchs – wie Schimmel in feuchten Ecken.
Ein Schweigen, das sich einnistete – in den Knochen, im Blut, im Schlaf.
Und niemand fragte.
Niemand suchte.
Niemand sah.
Ich war das Kind, das niemand suchte.
© Peter Siegfried Krug, 15. November 2025, 19:54 CET, Salzburg
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